Na toll, geht das wieder los. So was Ähnliches (nein, eigentlich nicht "so was Ähnliches", sondern genau das) hab ich mir freilich eh schon gedacht. In der Früh hab ich nämlich sehr verdächtige Geräusche gehört. Von Lieferwägen. Doch wirklich sicher sein konnte ich mir halt erst in der Nacht. Wenn jemand das Licht anmachen würde. Und tatsächlich: Auf der anderen Straßenseite sind drei Fenster hell erleuchtet. Und wo es finster ist, schläft alles wahrscheinlich bereits. Oder ist in einer Disco, die plötzlich aus dem Corona-Koma erwacht ist.

Sie sind also zurück: die Übertouristen. Neudeutsch: Overtourists. Oder wie man die nennt, die uns die Stadt verstopfen und derentwegen ich jeden Morgen ab fünf nimmer schlafen kann (aufgrund der regen Ladetätigkeit und weil ich nun einmal gegenüber von einem Hotel wohne). Jetzt ist mir auch klar, warum ich meinen Babyelefanten ins Tierheim bringen oder einschläfern lassen soll. Wegen denen dort drüben. Damit mehr Platz für diese Ausländer ist. In Wien ist sowieso bald jeder entweder ein Tourist oder ein Reiserückkehrer. (Bekanntlich die zwei Hauptüberträger der Delta-Variante.) Alle werden wir ab sofort aufeinanderpicken wie früher. Na ja, was hab ich erwartet? Eine 20-Quadratmeter-Regel für Wienbesucher? Das nicht, allerdings sollte immer erst einer rein dürfen, wenn ein Ortsansässiger die Stadt verlassen hat. Und die andern müssen sich eben vorne draußen anstellen. Wie bis vor kurzem vor den Geschäften. Ach, das waren noch Zeiten, als jeder Kunde/jede Kundin in jedem Laden/jeder Ladin (oder Lad-e?) sein/ihr eigenes Zimmer gehabt hat, seine/ihre persönlichen 20 Quadratmeter. Und als man auf zehn runtergegangen ist, war’s immerhin noch ein nettes Kabinett. Inzwischen ist’s mir da drin zu voll. Werde ich meine Sachen wohl oder übel im Internet bestellen müssen. Okay, hab ich vorher ebenfalls getan. Weil mir die Warteschlangen zu lang waren. (Wo samma denn? Im Ostblock?)

Das wird mir hier echt zu normal. Als Nächstes muss ich noch meine Geburtstagstorte teilen, obwohl ich sie beim Ausblasen der Kerzen mit extra vielen Aerosolen garniert habe. Ich muss schleunigst weg. Brauch dringend Urlaub. Vor allem von den Touristen. Gibt’s nur ein winziges Problem: Mein Reisepass ist abgelaufen. Muss ich folglich ein neues Passfoto machen lassen. Vor wildfremden Leuten mein Gesicht enthüllen? (Gilt da übrigens die 3G-Regel? Schließlich nimmt man die Maske ab.) Oben ohne fühl ich mich aber nackt. Und ich würde mich nicht einzuatmen trauen. Und ersticken, bis ich mit dem Ergebnis endlich zufrieden wäre. Hm. Können die nicht einfach das alte Foto nehmen und es mit einer Alterungssoftware zehn Jahre nachreifen lassen? Wozu überhaupt ein Foto? Auf dem sieht man sich ohnedies nie sonderlich ähnlich. Sondern ist perfekt gestylt und frisiert. Wer steigt schon so aus dem Flieger? Reichen nicht die Fingerabdrücke? Außerdem: Wenn ich wegfahre, werde ich dann nicht zu einer Reiserückkehrerin? Womöglich stecke ich mich nachher daheim selber an. Das Beste wird sein, ich check stattdessen bloß im Hotel gegenüber ein und häng an die Tür "Do not disturb".