Geborener Hütteldorfer: "extra"-Ressortleiter Gerald Schmickl.

Geborener Hütteldorfer: "extra"-Ressortleiter Gerald Schmickl.

Es war die zeitgenössischere, vielleicht auch eidgenössischere Form(ulierung) des Narrischwerdens: "Ich flipp' aus", schrie der Schweizer TV-Kommentator, als sein Team bei der Fußball-EM das 3:3 gegen Frankreich erzielte - und sich damit in die Verlängerung des Achtelfinales spielte (und dort bekanntlich den Weltmeister im Elferschießen aus dem Bewerb kickte). Quasi der Edi-Finger-Moment unserer Nachbarn.

Zum Narrischwerden hat es bei unserem Team ja leider knapp nicht gereicht. Die Frage ist allerdings auch, ob einer unserer Reporter zu solch ausgeflippter Wortwahl überhaupt gegriffen hätte. Die Phalanx der heimischen Kommentatoren (und der einen Kommentatorin) zeichnete sich bei dieser Europameisterschaft eher durch einen sachlichen denn forciert emotionalen Tonfall aus. Und das ist keineswegs kritisch gemeint. Der österreichische Volkssport, über seine Sportreporter herzuziehen, liegt mir schon deswegen fern, weil ich einst selbst gerne einer geworden wäre - und mich daher mit ihnen mindestens so identifiziere wie mit den Fußballern (auch das war für mich als geborenen Hütteldorfer eine zumindest denkbare Option).

Aber auch ohne diese subjektive Sicht kann man, glaube ich, mit den Leistungen der Kommentatoren - und auch jener von Frau Lallitsch - zufrieden sein. (Wobei mir die Herren aus der sogenannten zweiten Reihe, wie etwa Dietmar Wolf oder Michael Roscher, besonders gefielen). Aber starke, erinnerungswürdige Sager kommen halt kaum noch vor. Das Herz auf seiner Zunge zu tragen (eine Redewendung, die wenn überhaupt, dann jedenfalls bei dieser Profession Sinn ergibt), das ist mit einer bestimmten Generation, wie’s scheint, ausgestorben - fast buchstäblich, wie man nach den jüngsten Todesfällen von Edi Finger jun. und Peter Elstner leider zu sagen geneigt ist. Die waren zwar nicht immer sattelfest, auch nicht immer korrekt (so hat etwa Elstner bis zuletzt die Dopingvergehen der einst von ihm bejubelten Langläufer ignoriert), aber lustig, und sei’s unfreiwillig, waren sie halt schon.

Dafür scheinen nun die sogenannten Fachkommentatoren zuständig. Nicht unbedingt der etwas streberhafte Helge Payer, aber Roman Mählich hat durchaus, um nicht zu sagen: allmählich in diese Rolle hineingefunden - und ist oft nicht nur erfrischend unverfroren in seinen Äußerungen, sondern auch trocken-humorig und gewitzt.

Und natürlich unser aller Herbert. Der, nämlich der Prohaska, ist nicht nur der heimische Fußballer, sondern auch der liebenswürdigste Kauz des Jahrhunderts. Wie er da im TV-Studio hockt, sich in Dativ-Akkusativ-Zweierketten verdribbelt, Wuchteln schiebt und uns am Ende nachteulenhaft zuzwinkert - das sind jene Momente, an die man sich dereinst erinnern wird wie an Edi Fingers legendären Cordoba-Satz. Wobei an diesem ja weniger das "I wear narrisch" als die Beifügung das besonders Österreichische war: "...wir fallen uns um den Hals; der Kollege Riepl, der Diplom-Ingenieur Posch - wir busseln uns ab." Nämlich in diesem Moment der nationalen Verzückung den Titel des Kollegen nicht zu vergessen.