Ich könnte mich auf mein Alter ausreden. Denn im Alter, so der Volksmund (und auch die eigene Erfahrung), wird man leicht wunderlich. Aber ich hätte das glatt auch vor vierzig Jahren gemacht, wenn ich die Gelegenheit dazu gehabt hätte.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Was? Nennen wir’s ein Experiment. Einen Hörvergleich zwischen zwei Audio-Krücken. Um etwas mehr ins Detail zu gehen: Die Versuchsanordnung umfasst zwei Verstärker, einen Plattenspieler (wahlweise auch eine andere Quelle) und ein Paar Lautsprecher. Eine schlichte kleine HiFi-Anlage konservativer Bauart also, mit Ausnahme der Amplifier-Doppelbesetzung. Über ein spezielles Kästchen von Dynavox lässt sich wahlweise zwischen den Geräten hin- und herschalten. Ich will wissen, ob sich ein Hörunterschied ergibt. Und, wenn ja, wie deutlich er ausfällt.

Die Sache ist nämlich die (und ich werde HiFi-Enthusiasten jetzt keine Neuigkeit erzählen): man kann für solche Bausteine einer seriösen Stereoanlage jede Menge Geld ausgeben. Von wenigen hundert bis viele tausend Euro. Unter Freaks sind auch fünfstellige Beträge denk- und machbar. Der Glauben, dass sich die Qualität des Hörgenusses aber allein im Preiszettel widerspiegelt, ist ein Irrglaube. Es gibt günstige Geräte, die superb klingen, und sauteure, die gerade mal okay tönen.

Ich hatte als Testobjekt einen neuen, höchst charmanten Verstärker der Billigklasse geordert: den Rega Io.

Viel abgespeckter als mit diesem unscheinbaren britischen HiFi-Ziegel kann man kaum mehr operieren: es gibt einen Ein-/Aus-Schalter, eine Quellenwahl und einen Drehregler für die Lautstärke. That’s it. Okay, eine Fernbedienung liegt auch noch bei. Unter Kennern gilt dieses Gerät aber als Einstiegsdroge für ernsthaften Musikgenuss. Insbesondere der Phono-Anschluss des Rega soll wunderbar rund, spritzig und glücklichmachend klingen. Die Redakteure des Online-Magazins "Lowbeats" etwa überschlugen sich in ihrem Fachurteil: "Der Io ist ein Lehrstück in erfolgreichem Downsizing." Man könne den Amplifier glatt dem besten Freund ans Herz legen.

Nun bin ich aber ausgewiesenermaßen auch ein Fan von Vintage-HiFi. Also: gebrauchtem Equipment früherer Epochen. Hier bekommt man oft erprobte Qualität mit speziellem Nimbus zum Flohmarktpreis. Und, was soll ich sagen: Wie zufällig hatte ich einen NAD 3020A daheim stehen. Dieser Verstärker gilt als Kultgerät, das einst - Anfang der Achtzigerjahre des vorigen Jahrhunderts - vielen den Einstieg in die High Fidelity ermöglicht hat (ich erinnere mich zum Beispiel an großes Lob in der "Vox", einem leider verblichenen österreichischen Magazin). So kam, was kommen musste: Ich verglich den Oldie mit dem brandneuen Kästchen.

Und, nein, es war keine Offenbarung. Weder in dieser noch in jener Hinsicht. Denn der NAD tönte wohlgefällig, der Rega dito. Eigentlich hörte ich kaum einen Unterschied. Beide verdienen eine Empfehlung. Was doch irgendwie die These bestätigte, dass Verstärker am wenigsten zum Eigenklang von HiFi-Anlagen beitragen. Die pragmatische Entscheidung für das eigene Wohnzimmer wird einem sowieso leicht gemacht: Die Antiquität erfordert Jagdinstinkte, das Glanzstück von heute steht banal im Händlerregal.