"Pedri sagte Enrique eine große Zukunft voraus." Das konnte man in der Berichterstattung über die Euro 2020 auf ORF-Online lesen. Ein ärgerlicher Fehler, leider kein Einzelfall.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Vorausschicken muss ich, um wen es geht. Pedri, bürgerlich Pedro González López, ist ein spanischer Fußballspieler, der beim FC Barcelona unter Vertrag steht. Er ist achtzehn Jahre alt. Luis Enrique, ein ehemaliger Fußballspieler, ist Teamchef der spanischen Nationalmannschaft. Er ist 1970 geboren, gewann als Trainer Mitte des vergangenen Jahrzehnts so gut wie alles. Und da soll der blutjunge Pedri dem alten Haudegen Enrique eine große Zukunft voraussagen? Wer sich in dem Metier auskennt, der weiß, dass es nur umgekehrt sein kann: "Enrique sagte Pedri eine große Zukunft voraus."

Die Position der zwei Namen im Satz ist ausschlaggebend für den Sinn. Bei unmarkierten Personennamen - ohne Artikel und ohne Adjektiv - steht in der ersten Position immer das Subjekt, das ist in Stein gemeißelt und gilt auch für Substantive generell. Unter Journalisten kursiert der Kalauer: "Hund beißt Mann" ist keine Story, "Mann beißt Hund" hingegen schon.

Wer weiterlas, erkannte, was gemeint war. ",Kein anderer 18-Jähriger hat bei einem großen Turnier das geleistet, was Pedri hier geleistet hat‘, sagte er über den Mittelfeldspieler vom FC Barcelona." Da taucht das nächste Problem auf. Mit "er" kann aus grammatikalischer Sicht nur Pedri gemeint sein, dieser ist im vorhergehenden Satz das Subjekt. Wieder wird der Leser gefoppt.

Die Positionierung der Wörter im Satz entscheidet oft darüber, was das Subjekt und das Objekt ist. Die Entwicklung des Deutschen geht dahin, dass die Endungen der Hauptwörter allmählich verlorengehen. Bei den starken Substantiven ist im Dativ, im Wemfall, die Endung bereits geschwunden. Wir sagen "dem Haus" und nicht mehr "dem Hause". Aber es heißt noch "dem Hause Habsburg" - eine Reminiszenz an alte Zeiten. Bei den schwachen Maskulina ist der Wandel im Gange: "Dem Bub wird es egal sein" gilt noch als falsch, "Dem Buben..." als richtig, wie lange noch? Auch Pluralendungen gehen verloren.

Den Kampf um das "n" in Schwammerln, Gukerln und Krautfleckerln haben die Wörterbuchredakteure bereits aufgegeben.

Wie reich an Endungen war hingegen das Lateinische! Ich habe den Lateinunterricht genossen, Latein war für mich ein Sprachrätsel.

Wörter, die weit voneinander entfernt im Satz standen, konnten aufgrund der Endungen richtig verortet werden. In den Nachfolgesprachen, im Italienischen und Französischen, ist aus der lateinischen Vielfalt eine Einfalt geworden.

Kehren wird zum Ausgangspunkt zurück! Wenn das Objekt an erster Stelle steht, dann sollte es also als solches erkennbar sein. "Dem erst 18-jährigen Pedri sagte Enrique eine große Zukunft voraus." So ginge es. Nur mit dem Artikel zu markieren, gilt übrigens bei Namen als umgangssprachlich: "Dem Pedri sagte Enrique . . ." So reden wir salopp in der Umgangssprache dahin, aber schreiben dürfen wir es nicht. Merkwürdig.