Der hat ja wohl überhaupt keine Flugscham, dieser Jeff Bezos. Nein, nicht weil er ins All geflogen ist, das waren doch lediglich ein paar Minuten (nach Mallorca fliegt man viel länger), sondern womit er geflogen ist. Mit einem gewaltigen . . . Massagestab. Der reinste Macho-Porno war das. Multimilliardär penetriert den Himmel mit einem fliegenden Riesendildo.

Zuerst hab ich sowieso gedacht, das wäre "Austin Powers 2 - Spion in geheimer Missionarsstellung", diese Agentenfilmparodie, wo der Schurke Dr. Evil aus dem Mond ein Testosteron macht, Tschuldigung: einen Todesstern, und ich wollte bereits auf die Nachrichten umschalten. Dabei WAREN das die Nachrichten. Bezos’ Flugkörper mit Rückstoßantrieb sieht dem vom Dr. Evil zumindest verdammt ähnlich. Gut, ihm fehlen die zwei . . . Rundungen unten. Der Amazon-Gründer schaut nicht zuletzt fast aus wie der Dr. Evil. Beide haben dieselbe Frisur. Ob er deshalb nach der Landung einen Cowboyhut aufgesetzt hat? Aufgrund der Verwechslungsgefahr? Oder weil ihn der größer macht? Schließlich ist sein Mini-Me kein zwergwüchsiger Klon, seines ist ein ausgewachsener Bruder und heißt Mark.

Richard Branson, dieser andere Superreiche ohne Höhenangst, war vielleicht der erste Tourist im All, dafür war Jeff Bezos der erste Sex-Tourist. Eh klar. Wenn auf der Rakete des einen "Virgin" draufsteht (Jungfrau, wohlgemerkt), muss ihm der andere gleich eine Erektion nachschicken. Eine Demonstration seiner Potenz. Außerdem ist er tiefer eingedrungen. Nämlich wirklich in den Weltraum, nicht bloß in den der Amerikaner, die sich die - Pardon - Latte niedriger legen (80 Kilometer statt 100). Kann man ihn jetzt eigentlich wegen Vergewaltigung des Weltalls anzeigen? Und sämtliche Amazon-Mitarbeiter und -Kunden als Mittäter? Immerhin hat er denen nachher gedankt: "‘Cause you guys paid for all this." (Zum Glück hab ich bei Amazon nie was bestellt.) Seinem Konkurrenten hat er definitiv total die Show gestohlen mit seinen Superlativen. Niemals war ein reicherer (205 Milliarden Dollar), jüngerer (18), älterer (82) oder verwandterer Mensch dort droben. Ein Student, eine Pilotin und ein Klon (falsch: Bruder) haben ihn ja begleitet, als er am 52. Jahrestag der ersten Mondlandung - auf der Erde gelandet ist. Die Erde ist wenigstens nicht so mickrig wie dieser Trabant.

Was am meisten aufregt, ist aber, dass es Leute gibt, die so unverschämt viel Geld haben, dass es nimmer reicht, es beim Fenster rauszuschmeißen, sie müssen es sogar schon ins All schießen. Darf man denn einfach nur zum Vergnügen ins Weltall fliegen, um dann die vier Minuten Schwerelosigkeit für Zielübungen mit Popcorn zu verplempern? (Gegenfrage: Darf man denn einfach nur zum Vergnügen nach Mallorca fliegen, um Bier mit einem Strohröhrl aus einem Kübel zu saugen?) Ich hab mich jedenfalls sehr amüsiert, obwohl ich nicht einmal an Bord von diesem bemannten Penis war. Hm. Die Wally Funk war doch auch mit, die die Männer von der NASA einst nicht Astronautin werden ließen. Ist das also womöglich eine feministische Mission? He, das ist kein Phallus, das ist ein Binnen-I! Das I in AstronautInnen!