Wir fahren heuer im Sommer nicht weg. Uns ist die Lage zu unübersichtlich. Stattdessen machen wir Ausflüge in die Berge. Doch zu Hause ist es auch nicht immer einfach: Nach siebenhundert Höhenmetern und einem Weg, der durch den vielen Regen nicht gut in Schuss gewesen war, kamen wir bei unserem Ziel, einem entlegenen Ausflugsgasthaus, an.

Bevor ich mich in den idyllischen Gastgarten setzte, hatte ich die Folgen einer Kommunika-
tionspanne mit dem Jagdhund des Wirts zu erleiden: Das Hündchen war angeleint. Ich wollte vorbeigehen; weil es mich aber anbellte, wandte ich mich ihm zu, sah, dass der Schwanz wedelte, und meinte, wir seien dabei, Bekanntschaft zu schließen. Im nächsten Augenblick hatte ich schon ein Loch in meiner Hose und darunter floss ein bisschen Blut aus meinem Oberschenkel. Die Schuldfrage wurde so geklärt, dass, erstens, ich dem Hund zu nahe gekommen war, und dass, zweitens, der Hund mich aber dennoch nicht hätte beißen sollen.

Zum Trost offerierte man mir eine neue Hose, was ich ablehnte. Da die Wirtin aber partout anstelle des Hundes, der in der Zwischenzeit auf der anderen Seite des Hauses angeleint worden war, Buße tun wollte, lud sie uns auf Tafelspitz und zum Nachtisch auf Kaffee und einen hinreißend flaumigen Marillenkuchen ein. So schieden wir in friedlicher Stimmung voneinander.

Das zweite mindestens so einschneidende Erlebnis war der zweieinhalbtägige Aufenthalt auf einer nicht elektrifizierten, mit Plumpsklo ausgestatteten Alm zum Zwecke der Qigong-Ausübung und des Wanderns. Der Ort war ein bisschen wie der Vorgarten zum Paradies! Was soll ich noch sagen, außer dass der markanteste Berg über dem Tälchen "Kirchdach" genannt wird, weil er auch so aussieht? Und die reizenden Gastgeber hatten all unser Gepäck hinaufgekarrt, was eine Wohltat war: Für zweieinhalb Tage braucht man fast so viele Dinge wie für zwei Wochen.

Im Gebirge kann es in kurzer Abfolge überraschend kalt, nass und heiß sein. Meine beiden Rucksäcke sahen jedenfalls ein bisschen so aus, als wollte ich auf Dauer auf die Alm übersiedeln. Tatsächlich waren aber zweieinhalb Tage in Paradiesnähe zeitlich ideal, um den Effekt zu erzielen, den das Wegfahren haben soll: Dass man sich am Ende des Aufenthalts auf Zuhause freut! Ich jedenfalls bin bald zu dem Schluss gekommen, dass ich zu viel jammere. Diese Einsicht mag mir auch dank Qigong gekommen sein. Aber das war es nicht allein: Ich werde mich künftig mehr in Dankbarkeit üben. Denn das sogenannte Wasserklosett ist etwa eine Errungenschaft, die ich gar nicht genug preisen kann.