"Deutschland und Österreich: zwei Länder getrennt durch die gemeinsame Sprache", soll Karl Kraus einmal nicht gesagt haben. Oder doch. Das Internet ist sich da nicht einig. Trotzdem stimmt der Satz. Zwischen Deutschen und Wienern ist der Unterschied noch größer. Beispiel: das Wort "Hallo". "Hallo" sagt der Deutsche laut und deutlich zur Begrüßung, wo der Wiener ein "Sgood" nuschelt. Manchmal meint der Lieblingsnachbar es auch als Weckruf "Hallo?!", wo der Wiener sich mit der zweideutigen Frage "Oba sunst geds da guad?" begnügt. Das "Hallo" verwendet der Wiener als Begrüßung nur in Ausnahmefällen. Am Telefon, wenn er sich verwählt hat. Ansonsten nimmt er lieber ein klar verschliffenes "Seas", um die Kommunikation zu starten. Der Wiener braucht das "Hallo" dagegen fürs Ende. Zum Abschluss des Wiener Liedes. Dort dafür umso mehr und exzessiv gedehnt. Also etwa so: Haaaallooooooooooo! Auf beiden Seiten des Inns gibt es aber auch gleichförmige Formulierungen. Etwa die intelligenzfreie Phrase: "Retten wir den Planeten." Und weil sich auf dieser Welt gerne der größte Blödsinn durchsetzt (siehe: Automobil, Smartphone, Plastiksackerl), gibt es diese Betroffenheitsfloskel nicht nur in allen Formen des Deutschen, sondern auch auf Englisch und Französisch und Spanisch und vielleicht sogar auch auf Urdu und Kiswahili. Dabei ist die Aufforderung, den "Planeten zu retten", völlig sinnfrei. Der Planet ist nicht zu retten. Der Planet fällt in ein paar Milliarden Jahren in die aufgeblähte Sonne und macht noch ein Mal "Pfffsch!" und dann ist es aus. Finito. The end. Tschaubaba. Die Wissenschaft erlaubt uns aber auch mit einem Blick in die Erdgeschichte, handfeste Prognosen für die nähere Zukunft aufzustellen. So kann man die vergangen Zeitalter wie Kreide, Trias oder Perm an den Sedimentablagerungen bestimmen. Anders gesagt: Auch unsere ach so schöne Zeit (Autos, Smartphones und Plastiksackerln) wird als ein kleiner dunkelbrauner Streifen in der Erdkruste enden. Die Frage ist also vielmehr, wie es uns - als Spezies - bis dahin geht. Ob es eigentlich noch Leben auf diesem Planeten gibt, das größer ist als eine Kakerlake, die sich von Plastikmüll ernährt. Denn dem Planeten ist die Zerstörung der Lebensgrundlagen und des Ökosystems vor allem eins: wurscht. Das juckt den nicht. Wir nackte Savannenaffen aber, die in einem Auto voller Plastiksackerln uns von unserem Smartphone leiten lassen, wir dagegen sind davon abhängig. Und zwar total.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Also: Wenn wir irgendwen retten würden, wäre das nicht der Planet, sondern uns selbst. Vorgestern, Donnerstag 29. Juli 2021, war übrigens "Welterschöpfungstag". Haben schlaue Leute ausgerechnet. Bis dahin hat die Menschheit alle nachwachsenden Rohstoffe des Jahres 2021 bereits aufgebraucht. In den 70er Jahren war dieses Datum noch im Dezember. Und wenn alle Welt so leben würde wie der durchschnittliche Österreicher und die Österreicherin (Auto, Smartphone, Plastiksackerl), läge der Tag am 7. April. Wie wär’s? Aufwachen? Oder "Hallo?!!", wie die Deutschen sagen würden. Sonst heißt es: "Und wenn’s mal aus wird sein mit der Musi und mim Wein ...." Und dann - ehscho wissen: "Haaallooooooooooo!"