Irene Prugger, geboren 1959, lebt als Autorin und freie Journalistin in Mieming, Tirol.

Irene Prugger, geboren 1959, lebt als Autorin und freie Journalistin in Mieming, Tirol.

"Man kann nicht nicht kommunizieren." Das gilt wohl auch - was Paul Watzlawick in den pragmatischen Axiomen seiner Kommunikationstheorie nicht berücksichtigt hat - für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine. Die Sprache der Haushaltsgeräte etwa ist oft sehr individuell, aber meistens hat sich die Kommunikation mit den Besitzern gut eingespielt. Ich weiß zum Beispiel, dass es keine dumme Anmache ist, wenn mir mein Wasserkocher hinterherpfeift, ich habe - hellhörig wie eine Vogelkundlerin - das Piepen von Spülmaschine, Herdplatte und Backrohr auseinanderzuhalten gelernt.

Meine Waschmaschine, ein älteres Modell, aber sehr verlässliches Modell, beherrscht ein breites Ausdrucksspektrum zwischen Schnurren, Summen, Dröhnen, Rauschen, Rumpeln und Stöhnen. Leider hat sie kein Signal installiert, mit dem sie mich auf das Ende des Waschvorgangs aufmerksam macht - ich erkenne dieses an ihrem erschöpften Schlussseufzer. Die unterstützenden Signaltöne des "Ubiquitous (allgegenwärtigen, Anm.) Computing" können uns kaum noch überraschen, allerdings gibt es da ja auch noch jene akustischen Signale, die sich unprogrammiert einstellen.

Letztens versuchte mein Mountainbike, mit mir zu kommunizieren. Es machte mich durch ein Geräusch darauf aufmerksam, dass es ein technisches Problem gab. "Welches Geräusch?", fragte der Mechaniker. Ich versuchte mein Glück: "Es scheppert im Bereich des Vorderrades, wobei Scheppern eigentlich nicht der richtige Ausdruck ist, es ist auch kein Klappern, vielmehr klingt es wie ein Anstreifen von irgendetwas an irgendetwas oder wie ein Schleifen, das im Rhythmus des Tretens ertönt, beim Bergauffahren fast verschwindet und beim Bergabfahren fast ununterbrochen zu hören ist, außer in scharfen Kurven. Da klingt es dann eher so wie ein Zwitschern. Aber quietschen tut es nicht."

Der Mechaniker war freundlich und sagte sachlich: "Ich schau mir das an!" Aber wahrscheinlich kam er sich vor wie ein Arzt, dem ein hilfloser Patient die Farben, Formen und Leidensauswirkungen eines Schmerzes zu erklären versucht, auf der schier endlosen Skala zwischen unangenehm bis unerträglich, von stumpf, leicht ziehend bis scharf stechend, pochend, bohrend, brennend, messerstichartig und dergleichen mehr.

Die akustischen Signale meines Autos habe ich wie die Vokabeln einer Fremdsprache auswendig gelernt, und - was ich sehr angenehm finde - auch mein Auto probiert zumindest, mich zu verstehen. Missverständnisse sind dennoch nicht ausgeschlossen, auch dann nicht, wenn ich deutlich spreche. Neulich spielte es wie bei einem Wunschkonzert zur allgemeinen Begeisterung auf Sprachbefehl die musikalischen Wünsche der Insassen ab.

Schließlich fragte mich ein Mitfahrer: "Und, was wünschst du dir?" Ich antwortete: "Ich wünsche mir Stille!" Da war es einen Augenblick lang tatsächlich ruhig im Wagen, bis nach ein paar Sekunden das Lied "Stille Nacht" ertönte.