Am Montag ist es wieder so weit: Muslime hierzulande feiern den Beginn des neuen Jahres und gedenken dabei des Aufbruchs ihres Propheten Mohammed von Mekka nach Medina im Jahr 622 der christlichen Zeitrechnung. Anhänger anderer Weltreligionen kommen ebenfalls zu deutlich anderen Jahreszählungen als die Christen: So befinden sich gläubige Juden heuer bereits im Jahr 5782, Buddhisten immerhin im Jahr 2565, gerechnet ab dem Tod ihres Religionsstifters.

Noch viel komplizierter ging es im alten Griechenland zu, wo ein regelrechtes Kalenderwirrwarr herrschte. Praktisch jeder Stadtstaat hatte einen eigenen Kalender und zählte dabei die Jahre nach einem eigenen Standard. In der Großmacht Athen mit ihrem attischen Kalender begann das Jahr mit dem Monat Hekatombaion im Juli und wurde jeweils nach dem amtierenden Oberbeamten, dem "archon eponymos", benannt.

Damals fungierten die meisten hohen Beamten nur für ein Jahr, um eine übergroße Machtfülle in Händen eines Einzelnen zu verhindern, und der Jahreswechsel im Sommer bedeutete somit auch den Wechsel in den politisch-administrativen Führungspositionen. Für eine gewisse Einheitlichkeit sorgte im alten Griechenland die Zählung nach Olympiaden. Alle vier Jahre wurden im Heiligtum von Olympia Spiele zu Ehren des Gottes Zeus abgehalten, wobei man die ersten Olympischen Spiele im Jahr 776 vor Christus ansetze. Eine Olympiade bezeichnete daher die Periode bis zu den nächsten Spielen.

Im alten Rom fiel der Jahreswechsel lange Zeit auf den Beginn des dem Kriegsgott Mars geweihten Monats März. Dies war in alten Zeiten traditionell der Auftakt eines neuen Kriegsjahres gewesen, da damals im Winter üblicherweise nicht gekämpft wurde. Später wurde der Beginn des neuen Jahres verlegt und nun mit dem Fest des Gottes Janus verknüpft. Der doppelköpfige Janus wurde als Gott des Übergangs und der Schwelle verehrt, am ersten Januar "betrat" man somit ein neues Jahr.

Auch im antiken Rom war es üblich, die Jahre nach den Namen der beiden Oberbeamten zu benennen. Die "fasti consulares" genannten Listen waren das Grundgerüst der römischen Geschichtsschreibung, wobei die Aufstellung und Führung dieser Listen der Konsuln seit frühester Zeit Aufgabe von Priestern gewesen war. Diese Listen umfassen die Zeit von der Absetzung des letzten römischen Königs Tarquinius Superbus 509 v. Chr. bis zur faktischen Abschaffung des Konsulats durch Kaiser Justinian I. (542 n. Chr.). Da das römische Staatsarchiv im Zuge der Eroberung Roms durch die Gallier zu Beginn des 4. Jh. v. Chr. zerstört wurde, dürften die Angaben für die frühere Zeit allerdings erst nachträglich ergänzt worden sein.