Was erwartet man von einer Kundenkarte? Also: ernsthaft? Dass die ausgewiesene Mitgliedschaft in "Österreichs Bonus-Club" - das ist ein vom Supermarkt-Giganten Rewe gemeinsam mit Partnern wie Libro oder Interio ins Leben gerufenes Kundenbindungsprogramm - nicht bedeutet, dass man bei jedem Einkauf nur noch die Hälfte zahlt, liegt auf der Hand.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Ab und an bekommt man - jö! - Rabattmarken (Pardon, -aufkleber) zugeschickt, irgendwelche Werbe-Mails oder auch nur die üblichen Aktionsflugzettel, aber so ist das nun einmal. Schnöde Kundenbindung. Man soll sich von der Goldverbrämung rund um das "Jö"-Logo nicht täuschen lassen! Tut eh kaum jemand. Dass der vermeintliche Sparverein trotzdem bislang mehr als vier Millionen Österreicherinnen und Österreicher zu seinen Mitgliedern zählt, werden die Marketing-Strategen von Rewe als Triumph feiern. Nur Groucho Marx ("Ich möchte keinem Club angehören, der mich als Mitglied aufnimmt") werden sie definitiv nicht mehr für sich gewinnen.

Was den Managern des Konzerns aber aktuell weniger schmecken dürfte, ist eine Strafzahlung, die die Datenschutzbehörde (DSB) dem Club aufgebrummt hat. 2 Millionen Euro! Der Grund dafür sei, dass "die zwischen Mai 2019 und Februar 2020 eingeholten Einwilligungserklärungen der Kundinnen und Kunden nicht den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) entsprachen", wie man trocken mitteilte. Dabei geht es vornehmlich um das "Profiling" der Mitglieder, sprich: um die Verknüpfung und Auswertung elektronischer Informationen, die - jö! - an jeder Supermarktkasse hinterlassen werden. Ob mit oder ohne Einwilligung. Und exakt um diese, also die explizite Zustimmung der Kunden, geht es. Meldete man sich für den "Bonusclub" etwa über einen Folder oder die Website an, wäre "aufgrund der Ausgestaltung der Einwilligungserklärung" nicht klar gewesen, ob Profiling nun auf "on" oder "off" gesetzt war. Sprich: die DSGVO diene als Riegel vor dem üblich-üblen Schmäh mit dem Kleingedruckten.

Nun habe ich gewiss kein Mitleid mit dem Riesen Rewe. Die zwei Millionen zahlt der Konzern aus der Portokasse. Aber dass hier Juristen mit Juristen über Spitzfindigkeiten streiten, liegt auf der Hand. Was erwartet man von einer Kundenkarte? Also: ernsthaft? Zurück zum Start.

Sollte die Datenschutzbehörde ihre Aufgabe ernst nehmen, hätte sie gerade jetzt eine gewaltige Aufgabe vor sich. Und sie könnte präventiv wirken, nicht erst im Nachhinein abkassieren. Worum geht es? Um ein mögliches Vorhaben des Staates Österreich. Und die Datensicherheit für fast alle seine Bürger. Letztlich um das zentrale Versprechen bei der Einführung von Elga, der elektronischen Gesundheitsakte, verlässlich restriktiv und verantwortungsvoll mit dem sensiblen Material umzugehen. Nun ist im Wirtschaftsministerium (!) ein Strategiepapier aufgetaucht, das die Daten - vorgeblich anonymisiert - der Pharmaindustrie, privaten Unternehmen und der Wissenschaft zur Verfügung stellen will. Jö, schau! Hier kann man eventuell schon bald die Politik und die Behörden auf ihre Worttreue prüfen.