Seit Mittwoch verkehren in Wien zwei Busse "nur für Ungeimpfte". Nein, ich hab mich nicht verschrieben und das sollte in Wahrheit "nur für Geimpfte" heißen. "Ungeimpfte" stimmt schon. Da lässt man sich also extra impfen, liegt nach dem Zweitstich drei Tage herum wie eine erschlagene Fliege, damit man nachher überall reinkommt und sich nicht dauernd testen lassen muss, und nun das. Sollten nicht die Ungeimpften diejenigen sein, die von allem ausgeschlossen sind? Okay, auf den Bussen steht drauf: "Impfbus." (Na und? Hier geht’s ums Prinzip.)

Ich hab jedenfalls keine Busreise spendiert bekommen als Belohnung dafür, dass ich zuerst den einen Arm hingehalten habe und fünf Wochen später . . . noch einmal denselben. Ich musste ins Austria Center pilgern, bitte. Gut, eh nicht die ganze Strecke zu Fuß. Lediglich das letzte Stückl von der U-Bahnstation. Trotzdem. Vermutlich kriegen die Impf-Debütanten am Ausflugsziel auch noch ein Würschtl und ein Bier. Kriegen sie nicht? Zumal sich der Bus gar nicht vom Fleck rührt? Warum sollten die Leute dann überhaupt einsteigen? Weil er sie eigentlich doch wo hinbringt: in die Freiheit. Und die wird offenbar umso größer sein, je höher die Durchimpfungsrate ist. Und da die Impf-Willigen längst alle geimpft sein dürften, versucht man die anderen eben mit niederschwelligen Angeboten zu "überzeugen". Mit Niederflurbussen? (Oh, wie viele Stufen hab ich mich im Austria Center hochschleppen müssen - ohne Sherpa und ohne Sauerstoffflasche!)

Inzwischen lauert man den Muffelnden nämlich nicht bloß auf der Donauinsel, vorm Schwimmbad, im Freiluftkino oder im Einkaufszentrum auf, man fährt direkt vor ihre Haustür. Um den Impfdruck zu erhöhen. Grad, dass man nicht hupt, bis sie runterkommen. Oder an jeder Ecke anklagend rumsteht mit der Broschüre "Impfet!" wie die Zeugen Coronas. Grenzt das nicht bereits an Stalking? Um mich hat sich niemand so bemüht. Bei mir war’s selbstverständlich, dass ich mich heldinnenhaft in die Nadel stürze. Das Pflasterl mit dem Blutstropfen hab ich übrigens aufgehoben. Die Blutreliquie. Ist schließlich meine erste Pandemie. Von der werde ich noch meinen Enkerln erzählen. Müsste ich dafür nicht erst einmal Kinder haben? Tja, egal, ich hab mich definitiv zu früh stechen lassen. Hätte ich gewartet, könnte ich jetzt die schöne Aussicht genießen. Von der Impf-Gondel aus. Was? Die Impf-Box befindet sich neben dem Riesenrad? Auf dem Boden? Soll das heißen, die haben eine Gondel abmontiert? Nein, vielmehr, dass das derselbe Beschiss ist wie mit diesem Impf-Boot. Keine Party mit DJ und Wasserskifahren. Geimpft wird total unfeierlich am Ufer. Die Spritztour macht höchstens der Impfstoff. Und wo bleibt die angekündigte Impf-Kapelle im Stephansdom (für die kirchliche Impfung)? He, haut man einem dort Weihwasser in den Deltamuskel rein? Oder wird das Vakzin vorher gesegnet? Braucht man einen Impf-Paten? Am Erlebnis-Impfen müssen die eindeutig noch arbeiten. Wie wär’s mit Fallschirmspritzen? Ach, vielleicht bin ich doch nicht neidig. Wenigstens bin ich in Würde geimpft worden. Und der Schuss war sowieso gratis.