Wer Österreich kennt, weiß, dass die alte Kurt-Ostbahn-Zeile "I wüs goa net wissen, net so genau" kein Fantasieprodukt ist, sondern Ausdruck einer tiefen Sehnsucht der österreichischen Seele. Die Welt möge einen doch bitte in Ruhe lassen, im Zweifelsfall auch gern den Buckel runterrutschen oder sie solle einem doch etwas in ein Sackerl sprechen, man würde dem darin Befindlichen gerne zuhause sein Ohr leihen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

So wie der Mensch in Deutschland gerne arbeitet, in Frankreich gerne isst oder in der USA es liebt, herumzuballern, so hat auch der Homo austriacus seine ganz speziellen Vorlieben. Und sie heißen: Lass mi in Rua damit.

Das ist aber nicht nur Folklore, das ist auch gelebte Regierungsunverantwortung.

So wurde diese Woche die afghanische Botschafterin einbestellt, weil sie es gewagt hatte, die österreichische Bundesregierung dazu aufzurufen, Abschiebungen nach Afghanistan auszusetzen. Und das nur, weil dort eine Stadt nach der anderen den Taliban in die Hände fällt. Wer sie nicht kennt: Die Taliban sind Männer, die Hobbies haben wie steinigen, Frauen unterdrücken, Gottesstaaten errichten und flächendeckend Burkas anordnen. Dieselbe Regierung also, die in Österreich Vollverschleierung gesetzlich ablehnt, findet es völlig okay, Frauen, Männer und Kinder in ein Land abzuschieben, wo das Gegenteil gilt. Und noch dazu ein bisschen ein Bürgerkrieg herrscht.

Aber das ist ja völlig logisch, denn schließlich kann man die österreichische Bevölkerung und schon gar nicht das Kabinett mit der Wirklichkeit konfrontieren. Es ist zu vermuten, dass die Abwehrmaßnahmen gegen Fakten, die sich nicht auf türkiser Parteilinie finden, nicht die letzten sein werden. Jemand wie Kanzler Kurz und sein Innenminister lassen sich doch nicht ständig von der Realität ins Steuer greifen.

Folgende weitere Vorladungen stehen daher noch aus: der Vorsitzende des Pensionistenverbands. Anlässlich der prekären Pflegesituation ist es schlicht unverantwortlich, dass die Menschen ständig älter werden. Weiters: die LeiterInnen der Armutskonferenz. Sie mögen doch bitte über etwas anderes konferieren. Über Blumen zum Beispiel.

Der Vorstand des Instituts für klassische Philologie, um die Frage zu klären, was denn diese Delta-Variante solle. Und wie viele Buchstaben-Variationen denn da noch kommen mögen.

Auch möglich: Der Bundeskanzler lädt einen gewissen Petrus vor, weil die Starkregen in letzter Zeit nicht in das Framing des BKA gepasst haben.

Aber halt! Andererseits blickt die türkise Mannschaft natürlich auch mit negierender Zukunftskompentenz nach vorne.

Andreas Hanger etwa, der türkise Experte für postlogische Wirbelsäulengymnastik, der seit dem Ende des U-Ausschusses an einem Zuviel an Tagesfreizeit leidet, fordert ein Verbot von Film- und Fotoaufnahmen von Waldbränden: "Wer einen Waldbrand fotografiert, zieht Waldbrandtouristen an, die auch den Waldbrand fotografieren wollen und in ihrer großen Zahl leicht wieder einen neuen Waldbrand auslösen können. Daher hilft beim Waldbrand am besten Informationssperre. Dasselbe gilt übrigens für Korruptionsermittlungen."

Denn schließlich sind wir Österreicher und wollen nur eines:

Es gar nicht wissen.