Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.

Matthias G. Bernold, geboren 1975, lebt als Journalist in Wien.

Ich bin Anhänger des Nicht-Erwerbs von Kraftfahrzeugen. Keine Strafzettel, keine Reparaturen, kein Pickerl - nicht einmal stinkige Dieselfinger, weil man muss nicht tanken. Die Digitalisierung macht das gelegentliche Ausborgen kinderleicht und erschwinglich.

Wie alles im Leben hat freilich auch das Car Sharing Schattenseiten. Und diese offenbaren sich zum Beispiel bei einem Ausflug ins Höllental. Dorthin begaben wir uns vor zwei Wochen. Das Hinfahren erwies sich als problemlos. Auch wenn die Parkplatzsituation an diesem Samstag übel war, sodass wir relativ weit vom Einstieg in die Weichtalklamm an der B27 - einer von Motorradfahrern gern berasten Strecke - parken mussten. Es dämmerte bereits, als wir nach sechsstündiger Tour zum Auto zurückkamen. Der Vierjährige schlief sogleich ein. Als ich jedoch den Motor starten wollte: nichts.

Grund: Die elektronische Wegfahrsperre, die nur mittels App gelöst werden kann. Die App benötigt dafür allerdings eine Internet-Verbindung. Gibt es keine, fährt der Wagen auch nicht weg. Punkt. Was also tun? Zuerst umkreiste ich das Fahrzeug auf der Suche nach Empfang. Dann begab ich mich in die eineinhalb Kilometer entfernte Weichtalhütte. Dort gibt es zwar Internet. Wie ich herausfand, lässt sich das Entsperren aber nur durchführen, wenn zwischen Mobiltelefon und Mietwagen auch eine Bluetooth-Verbindung besteht. Die reicht aber keinen Kilometer weit. Auch der Anruf im Service-Center funktionierte nicht: Funkloch auch in der Hütte. Und die Festnetzverbindung? Seit drei Tagen defekt, bedauerte die Wirtin.

Die hilfsbereite Wirtstochter chauffierte mich schließlich Richtung Reichenau. 15 Kilometer von unserem Standort war der Empfang stark genug. 18 Minuten Warteschleife - dann erreichte ich einen Service-Mitarbeiter. "Wenn ihr Fahrzeug in einem Funkloch festsitzt, müssen wir es abschleppen", erklärte der: "Sperren Sie den Wagen ab, und lassen Sie den Schlüssel im Wageninneren." Alternative: Ich könne versuchen, den Wagen so weit zu schieben, bis ich Empfang hätte.

Beide Vorschläge überzeugten mich nicht. Gerade als ich mich auf eine Nacht im Matratzenlager einzustimmen begann, rief der Service-Mann: "Warten Sie: Jetzt ist Ihr Wagen online gegangen! Ich entsperre die Zündung. Fahren Sie so schnell wie möglich hin! Sonst verriegelt er sich wieder." Die Wirtstochter brauste los. Während meine Frau und mein Sohn auf dem Rücksitz erwachten, drehte ich bereits den Zündschlüssel. Und tatsächlich: der Motor startete.

Was lernen wir daraus? Vielleicht die Bitte an ShareNow, eine funklochtaugliche Lösung zu finden? Ansonsten gibt es noch die museale Höllentalbahn zwischen Payerbach und Hirschwang. Die fährt allerdings nur sonntags . . .