Ich möchte heute etwas zum Thema Tiere sagen. Tiere sind manchmal die besseren Menschen. Manchmal auch nicht. Im Italienurlaub habe ich einen Einheimischen gesehen, der diverse Quallen mit einem Ast im Meer aufgespießt und zum Verenden auf den Strand gelegt hat, um danach erst recht nicht baden zu gehen.

Ich fand das in Ordnung. Nach einem Medusenkuss vor einigen Jahren steht mir der Sinn nach wie vor nicht nach Versöhnung. Während im Hintergrund also recht splatterfilmmäßig gestochert (Ja!) und gestochen (Ja!!!) wurde, begann ich selbst das Buch "Rendezvous mit einem Oktopus" von Sy Montgomery zu lesen und dachte mir am Abend trotzdem wenig dabei, als ich einen dieser blitzgescheiten Wirbellosen als Hauptgang bestellte.

Bereits am Tag zuvor hatte ich eine kapitale Möwe beobachtet, die auf der Terrasse eines Cafés zu starten versuchte, am Hindernis eines vielleicht einen Meter hohen Glasgeländers samt Edelstahlhandlauf aber scheiterte. Die Möwe wurde zunehmend panisch und drohte nicht nur sich selbst, sondern auch Helfende zu verletzen. Als schließlich ein Mann einschritt, ihr beherzt unter die Flügel griff und sie auf den Handlauf hob, waren alle erleichtert. Ich applaudierte. Die Möwe wirkte verwundert, schüttelte sich kurz und flog dann Richtung Meer ab. Auch dort muss die Freiheit wohl grenzenlos sein.

Beinahe hätte ich dem aus der Schweiz stammenden Mann die Frage gestellt, ob er sich mit Vögeln auskennt, ließ es aus naheliegenden Gründen aber sein. Wieder am Strand, lernte ich viel über Fische, wofür ich Bill François und seinem Buch "Die Eloquenz der Sardine" sehr dankbar bin, wobei am Abend von Eloquenz keine Rede sein konnte, als mir die Sardine als Vorspeise vom Grill eher schweigsam erschien. Scusi! Ich werde mich um Verständnis bemühen, wenn man mich im nächsten Leben auf einem Planeten ohne Ozeane und Seen oder mit Meerzugang, aber vegan reinkarniert.

Abgesehen von der Ernährung bin ich selbstverständlich aber nicht als natürlicher Feind des Tiers zu betrachten. Meinen Wellensittich Budgie habe ich als Kind innig geliebt, die vierbeinigen Freunde meiner Freunde sind Familie. Aktuell gilt dem sächsischen Neuntöter und dem argentinischen Wasserschwein meine volle Solidarität.

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Während Ersterer gegen Anfeindungen verteidigt werden muss, weil er ein Straßenbauprojekt gefährdet, sorgt das Wasserschwein alias Capybara vulgo Hydrochoerus hydrochaeris in Buenos Aires für Furore, wo ihm Investoren seine alte, in einem Sumpfgebiet gelegene Heimat für ein Großareal an Luxuswohnungen wegneoliberalisierten. Nach seiner Rückkehr gibt das Wasserschwein dort jetzt die Wildsau und scheißt den reichen Säcken die Grundstücke voll. Das Internet ist entzückt - und feiert den rabiaten Fellträger bereits als Helden der Hausbesetzer- und Klassenkampfszene, Stichwort Che Capybara.