Über Tote soll man ja nix Schlechtes sagen (okay, für Hitler oder Charles Manson darf man vermutlich eine Ausnahme machen), ein gewisser Spencer Elden (wer?) tut es trotzdem. Und er sagt nicht nur was, er verklagt auch noch die Witwe. (Nämlich von Kurt Cobain. Courtney Love.) Und die hinterbliebenen Bandmitglieder. (Nämlich von Nirvana, deren Sänger Kurt Cobain bekanntlich gewesen ist.) Ich trau mich jetzt jedenfalls nimmer, die Musik von denen zu hören. Nicht, dass mich dieser Elden am Ende ebenfalls auf 150.000 Dollar verklagt.

Die Rockgruppe soll also ein Baby sexuell ausgebeutet haben. Behauptet das Baby. Oder Ex-Baby. 1991 sei ein Nacktfoto von ihm gemacht und gewinnbringend veräußert worden. Moment: War da nicht zusätzlich noch eine Schallplatte dabei, und haben die Leute nicht eigentlich für diebezahlt? Wurscht, darum geht’s nicht. Kinderpornografie ist Kinderpornografie. Ob sie musikalisch untermalt ist oder nicht. Und auf dem Plattencover soll immerhin eine Allegorie der Sexarbeit dargestellt sein: Tauchendes Baby wird mit Dollarschein an Angelhaken geködert. Dabei stört sich das Opfer, das nun zum 30-Jahr-Jubiläum der Tat 150.000 Dollar von jedem Beteiligten haben will, weniger daran, dass es auf dem Bild geldgierig rüberkommt, als daran, dass sein Spatzi nicht abgeklebt worden ist. Tschuldigung, das darf man ja nicht mehr schreiben. Spatzi? Nein, Opfer. Das klingt so nach Armutschkerl. Das sind "Überlebende", hallo? Und dieser Überlebende will halt nicht umsonst überlebt haben. Nicht gratis.

Noch hab ich freilich nirgends die Schlagzeile gelesen: "Riesiger Kinderpornoring aufgeflogen - 30 Millionen Mitglieder!" (So oft hat sich das Album - "Nevermind" - schließlich verkauft.) Für die mutmaßlichen Pädophilen gilt offenbar noch die Unschuldsvermutung. Für Babys allerdings nimmer. Weil die überhaupt nicht geschlechtsneutral sind. (Nicht? Aber es heißt doch "Baby, das".) Abgesehen davon, dass sie das Produkt von nicht jugendfreien Handlungen sind. Darf ich nicht lieber an die denken (mit ausnahmslos volljährigen Teilnehmern natürlich), anstatt überall potenzielle Sexobjekte für Perverse erblicken zu müssen und mich sogar schon beim Betrachten eines Pampers-TV-Spots höchst unwohl zu fühlen? Nein. Nackerpatzln sind nicht süß, sondern pfui, und wer sie dennoch süß findet, ist selber pfui. Basta.

Procter & Gamble ist sicher als Nächstes dran mit einer Klagsflut. Mich wundert’s sowieso, dass der Konzern noch nicht von den vielen ehemaligen Putzis vor Gericht gezerrt worden ist, deren blanke Popos dereinst in die Kamera gehalten worden sind (einmal nass: falsche Windel; einmal trocken: richtige Windel) und die heute traumatisiert sind von der Horrorvorstellung, dass womöglich jeden Abend Kinderschänder sabbernd auf die Windelwerbung gewartet haben. Inzwischen hat man ja wenigstens so viel Anstand, die Saugkraft mithilfe eines weißen Plüschhaserls zu demonstrieren. (Also, ich täte mir ziemliche Sorgen machen, wenn der Urin meines Babys blau wäre.)

Und malt im Kunsthistorischen Museum bitte endlich irgendwer Zensurbalken auf die Madonna-mit-Kind-Schinken drauf? Einen für jeden Jesusknaben? Müssten ohnedies nicht groß sein. Ein paar Zentimeterln je. Hm. Schaut man dann nicht erst recht hin? Ja eh.