"Die Fehler von 2015 dürfen sich nicht wiederholen", sagt der Kanzler.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Und da hat er natürlich recht. Ich nehm mir selbst ein Beispiel daran. Hab ich doch 2015 mehrmals probiert, einen Kinderwagen durch einen Großraumwagen der ÖBB zu schieben. Das ist sinnlos. Funktioniert nicht. Diese Waggons sind kinderwagenabweisend gebaut. Ein dummer Fehler, den ich nicht wiederholen werde.

Was war noch 2015? Ja, natürlich! Stefan Kraft gewinnt die Vier-Schanzen-Tournee! Fand ich jetzt persönlich nicht so schlimm, würde auch nicht von einem Fehler sprechen, aber wenn es dem Kanzler nicht gefallen hat - bitte.

Auch 2015: Die britischen Konservativen haben bei den Wahlen eine Mehrheit im Unterhaus bekommen. Und die Ukip-Party von Nigel-"Spitting Image"-Farange sogar 12 Prozent. Die Folgen waren: Brexit-Referendum, EU-Austritt Großbritanniens, Chaos an den Grenzen, rechtliche Unsicherheit der britischen Bürger in der EU und der EU-Bürger im Vereinigten Königreich, Schwächung der EU, Boris Johnson wird Premierminister, heiratet und wird Vater, dazwischen spielt er Regierungschef. Eine Rolle, die ihm gar nicht liegt. Kurz gesagt: Lauter Blödsinn. Sollte sich nicht wiederholen, richtig.

Apropos Blödsinn: 2015 hat der Wiener Hauptbahnhof am 13. Dezember seinen vollen Betrieb aufgenommen. Seither hat die Stadt statt cooler, mondäner Kopfbahnhöfe, die den Reisenden zum Verweilen reizen (wie in Paris oder in London), einen hässlichen Durchgangsbahnhof nach dem Vorbild von Metropolen wie Tulln oder Leoben. Dazu rundherum eine Bebauung, die jedem klar macht: Die dystopischen Filme der Achtzigerjahre waren völlig untertrieben. Einziger Trost: Der Hauptbahnhof in Berlin ist noch hässlicher. Also ein Riesenfehler! Sollte man nicht wiederholen.

Und - wie konnte ich das nur vergessen! - bitte auch keinesfalls zu wiederholen ist die Austragung des Songcontest in Wien von 2015.

Singende Kanaldeckel, Conchita-Wurst-Overkill und dazu tausende, verwirrte wie auch geschmacksbefreite Menschen, die glauben, bei dem Ereignis gehe es um Musik. Oder es würde Musik dargeboten. Oder Musik würde irgendwo in der Ecke sitzen und zuhören. Irrtum! Es geht um Einschaltquoten und Werbeminuten.

Das war fürchterlich! Traumatisch! Grausam! Zutiefst verstörend. Und darf sich auf keinen Fall wiederholen! Nie!

Welche Fehler wurden 2015 noch gemacht? Im Abgasskandal verarscht VW Klima und Konsumenten, in Kundus (Afghanistan) wird eine Klinik von US-Streitkräften bombardiert, harmlose Satiriker werden von bewaffneten Fanatikern in der Redaktion von "Charlie Hebdo" umgebracht, bei der UN-Klimakonferenz in Paris reisen fast alle Teilnehmer mit dem Flugzeug an, und es wird sehr viel Papier bedruckt, es wurde also nichts als noch mehr heiße Luft produziert. Und das 2015. Im - bis dahin - global betrachtet, wärmsten Jahr, seit es Aufzeichnungen gibt.

Und natürlich: In Parndorf wird ein LKW mit 71 Menschen entdeckt, die vor Krieg und Hunger geflohen sind und in diesem Fahrzeug elendiglich erstickt (vulgo: krepiert) sind, weil eine herzlose, menschenfeindliche und empathiefreie Asyl- und Migrationspolitik sie in die Illegalität gezwungen hat.

Ja, recht hat der Kanzler! Das darf sich nicht wiederholen.

Aber: Er könnte ja was daran ändern.