Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Stefanie Holzer, geb. 1961, lebt als Schriftstellerin in Innsbruck.

Der Holzpreis, da waren sich alle einig, war über einen langen Zeitraum viel zu niedrig gewesen. Also haben viele Waldbesitzer, wenn es ging, ihre Bäume als eine Art grüne Sparbüchse im Wald gelassen. Fichten sind relativ schnellwüchsige Bäume, die eine Umtriebszeit von 80 bis 120 Jahren haben. Einzelne können allerdings auch bis zu 300 Jahre alt werden - wenn sie nicht schon vorher morsch sind. Ein Nachbar hatte so lange auf einen anständigen Preis gewartet, dass ich fürchtete, eine seiner über 30 Meter hohen Fichten könnte vor der erhofften Preissteigerung auf unser Haus stürzen. Das ist zum Glück nie passiert. Erheblich jünger als seine Bäume, ist unser Nachbar vor ein paar Jahren gestorben.

Seine Erben ließen die Bäume fällen, da mit allen anderen Baumaterialien auch das Holz erheblich teurer geworden war und somit bessere Preise bezahlt werden. Der sogenannte "Harvester" hauste im Wald, und bald wurde offenbar, dass es wieder keinen "guten Preis" geben würde, denn die Bäume waren während des Wartens kernfaul geworden. Die von außen wertvoll aussehenden 150 Jahre alten Baumriesen hatten ein wertminderndes Inneres.

Die Wertminderung bei Bäumen hat einsichtige Gründe. Allerdings ganz so "einsichtig" auch wieder nicht, wenn man liest, dass auch die Fichten unseres Nachbarn am Bau Verwendung finden können. Sie werden nur schlechter bezahlt. Dass Dinge keinen absoluten Wert haben, sondern immer nur so viel wert sind, wie jemand dafür zu geben bereit ist, wissen wir aus Filmen, die im Orient spielen. Aber nicht nur dort ist nix fix. Manche Dinge werden mit der Zeit immer wertvoller. Andere sind nur neu etwas wert.

Meine Tante besitzt ein Kaffee-Service, das ihr als der Inbegriff der Eleganz erschien, als sie es erstand. Ich würde es "zeitlos" nennen, was im Vergleich zur Einschätzung "elegant" schon eine gewisse Werteinbuße darstellt. Meine Cousine jedoch findet das Service altmodisch - und damit ist es nahezu wertlos. Es überdauert jetzt in einem Schrank, bis vielleicht eine Tochter oder eine Enkelin meiner Cousine einmal Gefallen daran findet und seinen Wert wieder steigert.

Im Frühling wird man die Waldparzelle wieder aufforsten. Jemand, der jetzt zwischen 30 und 40 Jahre alt ist, pflanzt dann Bäume, die ihren höchsten Wert erst nach seinem Tod erreichen. Welches Holz wird in dieser fernen Zukunft am meisten Geld bringen? Wird wieder einmal alles in dunkler Eiche sein? Oder hat man dann helle Birke lieber? Oder soll der Waldbesitzer trotz Klimasorgen doch noch einmal auf die Fichte setzen? Das Pflanzen von Bäumen ist wie Wetten bei einem furchtbar langsamen Pferderennen.