Wenn ein Mann in Donaustadt, der in sozialen Medien Heil-Hitler-Witze postet und schreibt, dass er Abtreibungskliniken bombardieren will, mit über 40 noch bei seiner Mutter wohnt und eine Rohrbombe baut, die ihm dann in der Werkstatt explodiert, dann ist er...? Na? Was? Ein potenzieller politischer Attentäter? Ein radikaler Terrorist? Eine Gefahr für die Allgemeinheit, weil er einer menschenfeindlichen Ideologie anhängt? Nein. Er ist: psychisch krank.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Da hat er Glück gehabt.

Hätte er nämlich einen muslimisch klingenden Namen, käme aus einem anderen Kulturkreis oder würde er Leberkäse, Schweinsbraten und Extrawurscht aus religiösen Motiven ablehnen, dann wäre er bei der selben Sachlage: politisch radikalisiert.

Und das, obwohl es zwischen den Ideologien des autochthonen psychisch Kranken und dem ausländischen Radikalen gar keinen so großen Unterschied gibt. Beide mögen Frauen nicht so. Wenn, nur als Lust- und Gebärspielzeuge, pflegen Allmachtsfantasien (White Supremacy oder Scharia) und fühlen sich aber gleichzeitig extrem bedroht, (entweder im Glauben oder im sogenannten Volk). Auch Feinbilder haben sie ganz ähnliche: Linke, Liberale, Frauen, Homosexuelle, Amerikaner und Journalisten.

Und doch gibt es einen Unterschied, der bestimmt, wer von den beiden als psychisch krank und wer politisch radikalisiert gilt: die Herkunft.

Die gefährlich Depperten, deren Großeltern schon in Österreich geboren sind, die sind krank. Die muss man verstehen, schwierige Kindheit, früh auf die schiefe Bahn geraten, falsche Freunde, zu viel Michael Jeannée gelesen, Suche nach Anerkennung, Paintball-Spiele im Wald, krankhafte Versteifung des rechten Arms, unser Opa war ja genauso, arm, verwirrt, extrem gewalttätig, aber eigentlich ein armes Hascherl.

Und das ist nicht nur in Österreich so.

Anders Breivik, der in Norwegen vor 10 Jahren 77 Menschen ermordet hat: psychisch krank.

Tobias R., der in Hanau in Deutschland neun Menschen erschossen hat, deren Hautfarbe ihm nicht gefallen hat, war psychotisch und paranoid.

Natürlich gibt es gewagtere Beurteilungen auch. Über den Attentäter von Hanau schrieb der Spiegel: "Psychisch krank - und ein Rassist." Dass vielleicht sogar der Rassismus selbst die psychische Erkrankung ist, das wagt man nicht zu denken. Wenn dem so wäre, könnten ja noch andere "gesunde" Sachen völlig krank seien. Ja, ganze Parteien.

Denn es ist ja sicherlich ein Zufall, dass in pandemischen Zeiten ausgerechnet jene, die ständig vom "gesunden Menschenverstand" schwadronieren, Masken und Impfungen verweigern und so die eigene und die Gesundheit anderer gefährden.

Der Gewalttäter aber, der von woanders herkommt (oder zumindest seine Herkunftsfamilie), dem ist grundsätzlich nicht zu trauen. Der ist von Grund auf böse. Die sind doch alle so. Sind wir uns ehrlich. Eine ganz andere Kultur. Schau sie Dir doch an, diese Leute: primitiv, gewalttätig, alle, ohne Ausnahme. So einer ist nie psychisch krank, aber immer politisch radikalisiert. Aber Moment: Der mit der Rohrbombe kam woher? Donaustadt? Transdanubien? Das sag ich Ihnen als Cisdanubier: Denen war noch nie zu trauen. Die sind alle so.