Baktrien hat Gegenden von stark unterschiedlicher Natur. Es gibt solche, die von Bäumen und Weinbergen bedeckt sind, die große Mengen von schmackhaften Früchten und köstliche Weine hervorbringen ... Die leichteren Böden sind der Aussaat von Weizen vorbehalten, die anderen dienen der Futterversorgung. Andererseits sind die größten Teile des Landes mit nur kargen Sandflächen bedeckt ... Aber an den fruchtbaren Orten gibt es eine große Zahl von Menschen und Pferden."

So beschrieb der römische Schriftsteller Curtius Rufus ein Land, das sich in der Antike im Norden des heutigen Afghanistans erstreckte und nach seiner Hauptstadt Baktra benannt worden war. Dieses Baktra (heute Balch) lag an einem wichtigen Knotenpunkt der Seidenstraße mit Routen nach Norden zum Kaspischen Meer und nach Süden über den Chaiber-Pass nach Vorderindien und war deshalb von höchstem strategischen Interesse. Dies weckte früh die Begehrlichkeiten mächtiger Großreiche: Schon um das Jahr 500 v. Chr. wurde Baktrien Teil des Perserreiches und als solches eine seiner wichtigsten Provinzen.

Auch für Alexander den Großen, der sich 170 Jahre später anschickte, die Herrschaft über den gesamten Nahen und Mittleren Osten bis hin nach Ägypten und Nordindien zu übernehmen und daraus ein hellenistisches Weltreich zu formen, war Baktrien von größter Bedeutung. Dies zeigte sich nicht zuletzt darin, dass er eine Angehörige der baktrischen Oberschicht zur Frau nahm. Die Hochzeit von Alexander und Roxane im Jahr 327 v. Chr. war für die Zeitgenossen ein herausragendes gesellschaftliches wie politisches Ereignis, das später auch von Meistern wie Raffael oder Rubens interpretiert wurde. Alexanders Weltreich zerbrach zwar bereits mit seinem Tod, die hellenistische Kultur aber blieb noch für Jahrhunderte Grundlage der Gesellschaften vom westlichen Mittelmeer bis zum Hindukusch.

In Baktrien herrschte um die Mitte des 3. Jh. v. Chr. ein gewisser Diodotos, dem es gelang, sein Reich zwischen den Seleukiden im Westen und den aufstrebenden Parthern im Osten zu behaupten. Im zweiten Jahrhundert v. Chr. überschritten wiederholt griechisch-baktrische Herrscher den Hindukusch und brachten weite Teile des heutigen Pakistans und Nordwestindiens unter ihre Kontrolle. Wie nachhaltig der griechische Einfluss war, zeigen eindrucksvoll die im 6. Jh. n. Chr. entstandenen monumentalen Buddha-Skulpturen von Bamiyan.

Als die Taliban die Figuren im März 2001 sprengten, herrschten in Afghanistan längst andere Verhältnisse, die bis heute anhalten und das Leben der Menschen am Hindukusch nachhaltig und zum Schlechteren veränderten.