Die Welt ist ungerecht. So wird es zumindest Franz Strohsack, geboren 1932 in Kleinsemmering bei Weiz in der Steiermark, empfunden haben. Denn wenn jemand die Aufforderung "Think big!" verinnerlicht hat, dann ist es jener mittlerweile weißhaarige Selfmade-Milliardär, den man heute rund um den Globus unter dem Namen Frank Stronach kennt. Egal, ob man den späteren Nebenher-Politiker dafür bewundert oder nicht, man wird ihm eine gewisse unternehmerische Dynamik und Schlauheit nicht absprechen können.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

1954 mit - eigenen Angaben zufolge - 200 Dollar in der Tasche nach Kanada ausgewandert, zeigen ihn frühe Fotos seiner Karriere mit US-Straßenkreuzern vor der eigenen Werkstatt. Fast 70 Jahre später posiert Stronach aber stolz vor seinem neuesten Wurf: einem seltsamen Elektrokabinenroller in der Signalfarbe Orange, in den mit Mühe und Not zwei Leute hineinpassen. Gleichwohl sieht Stronach in diesem Gefährt die Zukunft der Automobilindustrie.

Drei Meter Länge, ein Meter Breite, eineinhalb Meter Höhe. Und, ja, es fährt, wenn auch (in Europa) gerade einmal 25 km/h langsam. Die Türen können abgenommen werden, das Dach ist fix montiert. Das Ding - das unter anderem in der Steiermark gebaut werden soll - trägt den Namen "Sarit", was eine Abkürzung für "safe, affordable, reliable, innovative transport" ist. Preismarke: rund 4.000 Euro.

Gut, das kosten schon luxuriösere Elektrofahrräder. Insofern ist wohl eine gewisse Marktchance gegeben, die (in der Regel weit teureren) Mopedautos haben ja auch - vor allem auf dem Land - ein Zielpublikum. In den Nachbarort zum Einkaufen zu surren, könnte ja mit dem "Sarit" durchaus Spaß machen. Ob man sich allerdings freiwillig dem Gelächter und Getuschel der Nachbarn aussetzt, sei dahingestellt.

Denn das lässt sich schon wenige Tage nach der Präsentation des Spuckerls sagen: Vorschusslorbeeren heimst Stronach mit seinem Miniauto eher nicht ein. Im Gegenteil. Es sei das hässlichste Auto ever, unsicher und unpraktisch, monierten Kritiker an jeder Social-Media-Haltestelle. Es wirke wie ein Entwurf des VEB "Fortschritt", der nicht vom Politbüro abgesegnet sei, erinnere designmäßig an das DDR-Kleinkraftrad "Simson Schwalbe", Jahrgang 1964, und sei insgesamt ein schrulliges Seniorenfahrzeug nach Graf-Carello-Vorbild, das den Elchtest fürchten müsse. Und so weiter und so fort. Hohn und Spott, wo immer der "Sarit" vorfuhr.

Und genau darin liegt die Ungerechtigkeit der Welt. Denn anstatt es einmal grundsätzlich für bemerkenswert und erfreulich zu halten, dass der alte Benzinbruder Stronach - der ja in und mit der Automobilindustrie groß geworden ist - im 21. Jahrhundert offenbar radikal auf Reduktion, Ökologie und Mikromobilität umschwenkt, erklärt man den ewigen Entrepreneur zum senilen Narren. Erklärt man das eigene "Fixie"-Fahrrad zum allein selig machenden Fetisch. Oder blubbert ungeniert weiter im SUV (Symbolhaft umweltunverträgliches Vehikel) durch die Großstadt. Sorry: Ich freue mich schon auf die erste Testfahrt mit der originellen Elektrokabine.