"Arbeitslose erstmals unter Vorkrisenniveau" - das sind ja erfreuliche Neuigkeiten. Zumindest bis hierher. Die Schlagzeile geht nämlich noch weiter. Vollständig lautet sie: "Arbeitslose erstmals unter Vorkrisenniveau, mit Schulungen darüber." Es gibt also weniger Arbeitslose als vor der Corona-Krise, ohne Job sind dafür mehr Personen. In der Vergleichswoche 2019 betrug die Brutto-Arbeitslosigkeit (inklusive Schulungsteilnehmern) 329.083, heute kommt sie auf 335.058. Die Netto-Arbeitslosigkeit hingegen (ohne Schulungsteilnehmer) ist immerhin um 1.129 Arbeitslose (kurz: Alos) niedriger. Durchaus ein Erfolg. Die Richtung stimmt.

Zum Glück sind Alos offenbar weniger von Schulschließungen betroffen als die Kinder. Sonst hätte man keine Jubelmeldung rausgeben können. Okay, eine schon. Mein Lieblings-Langzeit-Alo, der grad sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert hat (oder nicht gefeiert, denn was gäbe es da groß zu feiern?), hätte - fast - sein erstes Vorstellungsgespräch in diesen zehn Jahren gehabt. Es ist zwar nix draus geworden, aber so nah dran war er noch nie. ("Sogar einen Termin hab ich schon g’habt. Und mir überlegt, was ich anzieh.")

Streng genommen ist der Bernard G., dessen richtiger und vollständiger Name auf seinem ungefähr 2500sten Bewerbungsschreiben steht (gleich unter "Mit freundlichen Grüßen"), freilich sowieso keiner mehr von den 335.058. Weil er unlängst aus der Arbeitslosenstatistik rausgefallen ist. (Oh, hoffentlich hat er sich dabei nicht verletzt. Gilt das eigentlich als Arbeitsunfall?) Er hat folglich einen Job. Befristet. Das AMS hat ihn an einen "sozioökonomischen Betrieb" vermittelt, wo er angestellt ist als - Jobsuchender. Als Bewerbungsschreiber. Und ab und zu muss er einen Kurs machen. "Gewaltfreie Kommunikation", zum Beispiel. (",Gesunder Rücken‘ woa leider ausgebucht. Muss i ma halt so a ergonomisches Sitzkissen kaufen und in die Oabeit mitnehmen.")

Als er sich jedenfalls . . . als was überhaupt? . . . "als Berater im Psycho-Umfeld" beworben hat ("Psycho", so wie Norman Bates, Dusche und so? Nein, wie "Therapie"!), ist er noch am selben Tag angerufen und eingeladen worden. (Wau, die müssen dringenden Bedarf haben.) Blöderweise hat sich die Dame am Ende ("Ich hätte da noch eine Frage . . .") nach seinem Geburtsdatum erkundigt. Das er im Lebenslauf extra nicht erwähnt hat. ("So was sollt ma gar net fragen dürfen. Das is Altersdiskriminierung!") Am Tag des geplanten Treffens schließlich hat er erneut einen Anruf gekriegt. Man suche leider jemanden für mindestens sieben, acht Jahre und er sei eben in vier Jahren 65. "Die suchen also wen, der drei, vier Joa jünger is als du." - "Dabei wär i des eh. Mei Matura mocht mi vier Joa jünger." Drum ist die auch in seinem Lebenslauf drin: 1982 Matura. Die absolviert man ja üblicherweise mit 18. Und wieso an die große Glocke hängen, dass er knapp 22 war, weil er ein Oberstufenrealgymnasium für Berufstätige besucht hat? "Ausschauen tust a höchstens wie 57."

Noch vier Jahre muss er durchhalten. Dann wird er plötzlich einer sein, der "sein ganzes Leben lang hart gearbeitet" hat (das sagt man doch über die Pensionisten, oder?), und nimmer einer von denen, die "nur die Hand aufhalten", anstatt "die Ärmel aufzukrempeln". ("I trag immer T-Shirts und Polos. Wie soll i da Ärmel aufkrempeln?")