An einem warmen Wochenende sind in ländlichen Gegenden die vielfältigsten Gruppen gleichgesinnter motorisierter Ausflügler unterwegs. Jede für sich ein fröhliches Völkchen, das sich den Wind um die Nase wehen lässt und Freude daran hat, gemeinsam ihre fahrbaren Untersätze an die frische Luft zu führen.

Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald
Hans-Paul Nosko lebt als Journalist und Glossist in Wien. - © Robert Newald

Da findet man Oldtimer-Fans, die in Cabriolets dahingleiten, Liebhaber historischer Traktoren, die mit 25 Kilometer pro Stunde lautstark dahintuckern, oder Vespa-Fahrer, die deutlich schneller fahren, aber ebenfalls nicht zu überhören sind. So wie jene Gruppe, die unlängst in einer oberösterreichischen Kleinstadt einritt, als ich auf der Terrasse eines Cafés saß: Acht Damen und Herren jenseits der fünfzig, allesamt sportlich gekleidet, die Blousons nicht weniger farbenfroh als ihre Roller. Zwei Tische wurden aneinandergerückt, damit der "Wespenschwarm" beisammensitzen und die Strahlen der milden Spätsommersonne genießen konnte.

Mir fielen die Mods ein. Wir erinnern uns: Burschen und Mädchen, die in den Achtzigern auf ihren mit knapp einem Dutzend Rückspiegeln verzierten Vespas dahinbrausten und dabei lange, grüne Parkas und auffällige Frisuren trugen. Dem Alter nach hätten die oberösterreichischen Ausflügler in jungen Jahren ohne weiteres darunter sein können.

Als Nächstes dachte ich - auch wenn keiner der Herren wie Gregory Peck aussah und unter den Damen niemand eine Ähnlichkeit mit Audrey Hepburn besaß - an den köstlichen Film "Ein Herz und eine Krone": Eine Prinzessin aus einem nicht näher bezeichneten Land verliebt sich bei einem Aufenthalt in Rom in einen Reporter und verbringt mit ihm ein paar Tage. Der Standesunterschied ist jedoch zu groß, die beiden sehen einander zuletzt auf der Pressekonferenz der Prinzessin, bei der sie ihrem Schwarm ganz formell die Hand reichen muss. Der heimliche Star des 50er-Jahre-Streifens ist allerdings die Vespa, auf der die beiden durch die ewige Stadt kurven. Die Farbe des Gefährts kann man während der gesamten Dauer des Films nicht erkennen, da dieser aus Kostengründen in Schwarz-Weiß gedreht wurde.

Allesamt harmlos-nette Assoziationen, die mir bei meiner Melange durch den Kopf gingen. Was ich allerdings ein paar Tage später in Wien auf der Straße sah, irritierte mich gewaltig: Da stand eine Vespa des 21. Jahrhunderts, die doch tatsächlich die Bezeichnung "Vendetta" trug. Also Blutrache, wie sie in etlichen Weltgegenden der Wiederherstellung der Familienehre dient, nachdem diese, auf welche Weise auch immer, verletzt worden ist. Was in aller Welt soll ein verspieltes Ding wie eine Vespa mit einem derart archaisch-brutalen Brauch zu tun haben? Keine Ahnung.

Die oberösterreichische Vespa-Gruppe verließ nach ihrer Kaffeepause die Terrasse übrigens bestens gelaunt - und der Roller von Gregory Peck war flaschengrün, wie man auf den - zum Glück farbigen - Filmplakaten erkennen kann.