Am Sonntag ist es nun endlich vorbei. Die spannendste Wahl
seit langem. Die Wahl, die die Weichen stellt. Diese Mutter aller Wahlen - ohne Mutti. Genau, es geht nicht um die Gemeinderatswahl in Graz. Und auch nicht um die Landtagswahlen der Mostschädel. Nein, des Österreichers Lieblingsnachbarland Deutschland, vulgo Piefkei, schreitet zu den Urnen.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Und der Wahlkampf war . . . wie soll man das sagen . . . er war . . . ja, genau: Er war. Es gab Plakate, Werbespots, Umfragen und Desinformationskampagnen in den sozialen Netzwerken. Und man weiß jetzt, dass man in Überschwemmungsgebieten nicht lachen soll, aber in Sachsen Plakate aufhängen darf, auf denen "Hängt die Grünen" steht. Und es gab etwas ganz Neues: das Triell. Und das gleich dreimal.

Klingt Triell nicht nach einer französischen Parfum-Marke? Vor dem geistigen Auge sieht man ein ver’ungertes Mannequin in die Kamera ’auchen: "Oh! Nimm Triell® dann kommst Du immer s’nell!"

Aber das war kein Parfum. Trotzdem war es nicht wesentlich interessanter. Denn die einzige Frage nach jedem Triell lautete:

Wer hat gewonnen? Denn der oder die, der gewinnt, den wählt man nachher auch. Dann ist man auf der Seite der Gewinner und braucht keine eigene Meinung. Das ist Demokratie! Oder Sportwetten. Aber wo ist der Unterschied? ABBA haben ja gerade ihr Comeback: The winner takes it all. Das ist kein Zufall, das ist der Soundtrack zur "marktkonformen Demokratie" (© Angela Kasner, geehelichte Merkel).

Kennt man ja vom Weihnachtsmarkt: Da ein Stand mit Schnitzereien, dort die gebrannten Mandeln, der Glühwein und da das Ringelspiel. Das Ringelspiel ist in der Telekratie die Arena, in der die Kandidaten im Kreis laufen. Wer braucht schon Inhalte oder Argumente, wenn man Umfragen hat?

Kandidaten laufen wie die Hasen im Schweinegalopp die Pferderennbahn bis zum Kanzleramt (Noch mehr Tiere in einem Satz kriegt man außerhalb eines Schlachthofs nicht unter). Aber das kommt noch. Der Wahlkampf wird zum Survival-Game, die Looser kommen in die Wurst, the winner takes a Familienpackung. Und der, der dann gewonnen haben wird, was will er eigentlich machen?

Wurscht. Winner! Und bei der nächsten Wahl 2025 wird es noch inhaltsfreier: "DSDSK - DeutschlandSuchtDenSuperKanzler." Das Kanzleiwesen muss dann auch singen, tanzen und kochen können und kopfüber Insekten essen. Und zwar total authentisch. Und fünf europäische Hauptstädte verkehrt-rum aufsagen können. Schließlich muss er oder sie oder es auch noch Dings können . . . diesen wichtigen Skill haben . . . dieses, wie heißt der Shit? Das Brainy Gadget? Na? Ja . . . "regieren". Frag mich nicht, was das ist. Ist so ein Politik-Thing.

Aber das interessiert niemanden mehr, denn nach der Wahl ist vor der Wahl. Und es ist ja schon bald Oktober und das nächste Rennen winkt: Wer wird Deutschlands beliebtester Weinköniginnen-Weihnachtsmann, der auch nach zwei Liter Riesling noch Schlittschuhlaufen kann, ohne sich am Sack zu stoßen? Mitvoten!

Da ist man doch froh in Österreich zu leben, wo es noch um Sachthemen geht. Wie zum Beispiel um die Frage, ob Herbert Kickl gegen Covid-19 geimpft wurde. Oder nicht. Ganz, ganz wichtig.