Das hier ist kein gewohnter, quasi normaler Autotest, sondern ein Vorhabensbericht. Was habe ich vor? Nach Graz zu fahren. Nicht mit dem Zug, sondern mit dem Auto. Einem Elektroauto. Mit drei Mitfahrern (da eine Frau darunter ist, schalte ich behänd auf die neutrale Bezeichnung "Mitfahrende" um). Und weil ich sogleich eine latent kritische Stimme im Hinterkopf höre: Nein, ich habe vorab keine spezielle Routenplanung, keinen Kostenvergleich und keine Berechnungen zum ökologischen Fußabdruck dieser Fahrt unternommen. Das ist eventuell ein bissl leichtfertig. Gar sorglos. Aber wenn Autofahren anno 2021 noch Restspuren von Freiheit enthält (woran mir schon Zweifel kommen, wenn ich Sekunden nach dem Losfahren allerhand nervige elektronische Gebots- und Verbotssignale piepsen höre), will ich mir spontan ein Reiseziel, die Mitfahrenden und eine individuelle, höchst persönliche Zeitplanung aussuchen dürfen.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Graz also. Von Wien aus sind das knapp 200 Kilometer Fahrtstrecke. Luftlinie wären es keine 150 (was für die Bewältigung der Distanz per Helikopter spräche . . . oder darf man sich, eventuell bald schon, über Passagierdrohnen freuen? Gar solche ohne Piloten?). Und bitte keine billigen Scherze über die zweitgrößte Stadt Österreichs. Dass hier eine deklarierte Kommunistin bald Bürgermeisterin ist, sollte Tage nach der Wahl nicht mehr in Lenin- oder gar Stalingraz-Verballhornungen münden. Die Einwohner der schönen Metropole an der Mur dürfen sich auf eine sozial empathische Politik freuen, auch ohne die "Internationale" einstudieren zu müssen. Aber wir sind nicht deswegen auf dem Weg nach Graz, sondern um die Ausstellung des Fotografen Steve McCurry in der Messehalle A zu besuchen.

Ich habe als Testfahrzeug einen Skoda Enyaq ausgefasst, Modell iV 80. Der zeigt beim Wegfahren vollgetankt (sagt man noch vollgetankt? Okay: zu achtzig Prozent geladen, das ist für die Lebensdauer der Batterie der Idealfall) eine Reichweite von 298 Kilometern an. Also die Hinfahrt sollten wir glatt schaffen. Vor der Rückfahrt gilt es, eine möglichst potente Stromquelle anzuzapfen; sollte in einer Metropole ja kein Problem sein. Der Enyaq selbst ist ein richtiger Klotz, sehr glatt, sehr geräumig, sehr SUV im Erscheinungsbild. Ideal für diese Reise und die Zahl der Mitfahrenden, aber ich sag’s offen: Für die Stadt und ihre Gassen erscheint mir dieses Fahrzeug einmal mehr zu mächtig, zu schwer, zu konservativ. Skoda gehört ja zum VW-Konzern, trotz des deutlich günstigeren Preises des Modells im Vergleich zum wesensverwandten ID.4 ist es gewiss kein Volkswägelchen. Aber es wird in vielen Firmenflotten und Fuhrparks der nahen Zukunft zu finden sein.

Beim Losfahren sind wir guter Hoffnung (ich tippe die letzten Zeilen dieser Flaschenpost fast schon hinter dem Volant der Elektrodroschke). Sollten Sie nichts mehr hören und lesen von unserer Vergnügungsfahrt, dann ist alles gut gegangen. Exotisch ist daran anno 2021 wirklich nichts mehr. Eventuell ist es der letzte Anlauf des Schreibers, aus dem elektrifizierten Alltagsverkehr noch ein Quantum Exotik herauszukitzeln.