Zwar wird die Wiener Stadtverwaltung immer moderner und digitaler - was allerdings den berühmten Amtsschimmel in manchen Bereichen noch nicht in der Lage war, zu vertreiben.

Ein Hauch von MA 2412 ist zuweilen noch immer im Wiener Magistrat zu spüren. 
- © Wiki Commons / Herzi Pinki

Ein Hauch von MA 2412 ist zuweilen noch immer im Wiener Magistrat zu spüren.

- © Wiki Commons / Herzi Pinki

Andreas B. (Name von der Redaktion geändert Anm.) hat ein neues Geschäft eröffnet und will dieses mit Flyern bewerben. Wenn man in Wien gesetzeskonform Flyer verteilen will, braucht man eine Genehmigung der dafür zuständigen MA 46 (Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten).

Theoretisch lässt sich das Ganze zur Freude aller Beteiligten mittlerweile bequem online von zu Hause erledigen. Theoretisch - denn auf der Homepage der Stadt Wien ist zu lesen, dass dies in diesem Fall wegen einer Gesetzesänderung nicht mehr online möglich ist: "Aufgrund einer Gesetzesänderung steht derzeit kein Online-Formular zur Verfügung", heißt es da wörtlich. Für eine Einreichung der Genehmigung muss man also persönlich im Kundencenter der MA 46 im 12. Bezirk vorstellig werden. Also machte sich Andreas B. auf den Weg dorthin. Dort angekommen, traf Andreas B. in einem Büro auf zwei Vertragsbedienstete, die ganz erschrocken schienen, dass jemand den Raum betrat.

Andreas B.: "Guten Tag, ich würde gerne eine Flyer-Verteilaktion einreichen."

Der erste Vertragsbedienstete (VB1) betrachtete den mitgebrachten Flyer und antwortete: "Sie haben ja ihren Flyer schon mitgebracht."

Andreas B.: "Ja."

VB1: "Na, dann brauchen wir den Flyer gar nicht mehr anfordern."

Andreas B.: "Genau!"

VB1: "Ja, sehr gut - aber da müssens jetzt zum Kollegen hinüber."

Andreas B. tat, wie ihm geheißen, klopfte dort an die Glasscheibe und trug ein zweites Mal sein Anliegen vor. Der andere Vertragsbedienstete sah sich den Flyer an, tippte etwas in seinen Computer und schien sich über die weitere Vorgehensweise kundig zu machen, bis er nach fünf Minuten erklärte: "Ja, da müssen Sie ein Formular ausfüllen, weil es wegen einer Gesetzesänderung nicht mehr downloadbar ist."

Andreas B.: "Genau!"

Der zweite Vertragsbedienstete (VB2) reichte Andreas B. also das besagte Formular, das folgende Anforderungen an den Antragsteller auswies: Name der Firma, Ansprechpartner, Telefonnummer, Adresse und in welchem Gebiet man die Flyer verteilen will.

Andreas B. füllte das Formular nach besten Wissen und Gewissen aus und gab es dem Vertragsbediensteten zurück, der sogleich begann, das ausgefüllte Formular Zeile für Zeile zu überprüfen, bis er zu dem Schluss kam: "Da geb ich Ihnen dann wohl einen Stempel drauf."

Andreas B. entgegnete: "Das wäre sehr gut."

VB2: "Soll ich Ihnen das Formular auch kopieren?"

Andreas B.: "Das wäre sogar noch besser."

Also hat Andreas B. eine Kopie bekommen und sich sehr darüber gefreut, dass er nun endlich seine Flyer-Verteilaktion genehmigt bekommt. Aber die Freude war dann wohl doch ein wenig verfrüht. VB2: "Sie müssen jetzt bitte noch zur Kassa und die 13,90 Euro für den Antrag bezahlen."

Andreas B.: "Danke, alles klar, aber das war’s dann oder?"

VB2: "Aber nein, Ihr Antrag muss ja noch geprüft werden, erst wenn das erledigt ist, kommen Sie wieder her und können sich Ihre Genehmigung abholen."

MA 2412 lässt grüßen.