Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Andreas Rauschal, geboren 1984 in Vöcklabruck, ist Redakteur der "Wiener Zeitung".

Manche Menschen sind etwas komisch und sprechen vom "Scheitern als Chance" - ich nicht. Zwar würde ich dem Sicherheitsgedanken nur wie im aktuellen pandemischen Krisenfall zum Wohle der Allgemeinheit auch meine persönlichen Freiheiten unterordnen und die Kontrolle trotz einer Neigung zu kleineren Zwangshandlungen im Alltag dann lieber doch verlieren, als mich mit (selbst auferlegten) Regeln zu quälen. Jedenfalls aber sollte sich das Risiko, wenn ich es schon eingehe, am Ende rentieren.

Wer mich jetzt persönlich kennen sollte und meint: Der flunkert ja - ja, es stimmt, vor allem aber sind mir natürlich Missgeschicke ein Graus, zumindest, wenn sie mir selbst passieren. Einmal habe ich mir nach dem Aufstehen Gesichtscreme in die Haare und Haarwachs in das Gesicht geschmiert, ein anderes Mal Milch in mein Wasser und Apfelsaft in den Kaffee geschüttet.

Zum Glück hätte das übrigens gar niemand mitbekommen, wäre ich nicht so nett gewesen, diese sehr intimen Erfahrungen mit meinen Facebook-Freunden zu teilen. Auch andere Menschen lachen sehr gerne über die Missgeschicke von wieder anderen. Man nennt das Häme oder Schadenfreude und kennt es nicht erst seit Wilhelm Busch, Dick und Doof, dem von Leslie Nielsen herrlich hoppertatschig angelegten Police Officer Frank Drebin (Enrico Pallazzo!) sowie dem ganzen im Wesentlichen auf den Bananenschalentrick basierenden Slapstick-Genre. Außerdem möchte ich, wenn ich schon im echten Leben nicht scheitern will, zumindest der inszenierten Perfektion der Social-Media-Welt gelegentlich Einhalt gebieten. Dort ist das Hoppala abgesehen von eigens dafür gegründeten Seiten wie etwa "Eismalheur" mit zu Boden gegangener Schleckkost ja ohnehin vom Aussterben bedroht.

Contenance! Manchmal, und damit sind wir jetzt beim Thema Berufsrisiko angekommen, werde ich schweißüberströmt wach und schrecke aus Träumen hoch, in denen ich einen Blödsinn in die Zeitung hineingeschrieben habe, die aber bereits in der Stadt aushängt. Nun könnten Sie sagen: Blödsinn schreiben Sie jetzt gerade ja auch! Ich meine damit aber nicht den Blödsinn, der vom Blödeln kommt, sondern handfeste faktische Fehler wie damals, als ich den Radfahrer Jan Ullrich zum Schlagzeuger von Metallica gemacht habe, der leider Lars Ulrich heißt. Hier bin ich selbst lieber Medienkonsument und lache über in die Hosen gegangene Schlagzeilen wie "Biathleten scheitern beim Scheißen" oder Kurioses aus dem Chronik-Ressort wie "Oma und Kind verletzt - Fatales Missgeschick beim Palatschinken-Flambieren". Ich habe niemals behauptet, niedere Instinkte seien mir fremd.

Zum Glück kann ich mich jetzt aber entspannt zurücklehnen. Herrlich, die Woche ist geschlagen, der nächste Tex fehlerfrei im Kastenwd. So viel ist sicher, heute schlafe ich gut.