Vor Corona brauch ich mich also eh nimmer zu fürchten. (Na und? Ich tu’s trotzdem, ätsch! Obwohl die Pandemie für mich angeblich bereits seit Wochen vorbei ist, zumal das bloß noch eine der Ungeimpften sein soll.) Dafür muss ich jetzt Angst vor etwas haben, wogegen es keine Impfung gibt. Arbeitslosigkeit? Altersarmut? Davor auch. Und vorm Klimawandel. Aber im Moment akut vor - einem Schnupfen. (Dem ordinären, nicht vor dem, der ein Symptom von Corona ist.)

Dabei hab ich gedacht, den hätten wir ausgerottet. Mit den Lockdowns, Masken, dem dauernden Händewaschen. Schließlich hab ich seit eineinhalb Jahren keinen mehr gehabt. Doch nun warnen Mediziner, dass er wieder da ist. Zusammen mit dem Husten. Und dass er heuer leichtes Spiel hat, weil die coronabedingten Hygienemaßnahmen verhindert haben, dass wir unser Immunsystem trainieren. Die lästigen zwei, drei Verkühlungen jeden Winter waren nämlich offenbar in Wahrheit Selbstverteidigungskurse. Damit ich mich nicht ein viertes Mal verkühle. Okay, das wäre sich sowieso nimmer ausgegangen. Weil es längst Frühling gewesen wäre. (Mein Immunsystem ist anscheinend etwas begriffsstutzig.) Die ausgefallene Grippe könnte zwar dieses Jahr nachgeholt werden, gegen die kann ich mich freilich impfen lassen. Dann ist sie nimmer mein Problem. Der Schnupfen hingegen . . . (Super. Werden die Klopapierhamsterer Papiertaschentücher hamstern. Und ich? Muss mich in die Armbeuge schnäuzen. Danke!)

Unlängst hält mir jemand was entgegen und ich frag ihn perplex: "Was soll i damit?" - "Schütteln." Hab ich natürlich nicht gemacht. Schon allein aus Kostengründen. Das Flascherl Desinfektionsmittel für unterwegs, das ich mir alle zwei Wochen in der Apotheke besorge, kommt mich immerhin auf acht Euro. (Was mir der Typ entgegengestreckt hat, war übrigens seine Hand. Und das Händeschütteln hab ich inzwischen komplett verlernt. Selbst wenn mir einer die Ghettofaust darbietet, glaub ich, er will mit mir Schere, Stein, Papier spielen.) Rückblickend wäre es allerdings das Gescheiteste gewesen, ich hätte beherzt zugegriffen und nachher - in der Nase gebohrt. Um mein Immunsystem zu boosten. Denn womöglich hatte der ja ein paar Rhinoviren auf den Fingern.

Wo, bitte, soll der ein Rhinozeros gestreichelt haben? Im Zoo? Und deren Viren sind auf den Menschen übertragbar? Muss ich mich dann den ganzen Tag im Schlamm suhlen, den die spielenden Kinder aus der Betreten-verboten-Wiese im Hof gemacht haben, und mein Territorium mit Urin und Kot markieren, während ich die Blätter vom Ahornbaum kaue? Blödsinn. Rhinoviren sorgen lediglich für eine rinnende Nase. Reicht auch. Ist man automatisch ein Gefährder. Egal, ob der Schnupfen coronapositiv oder -negativ ist.

Ich muss g’schwind in die Apotheke. Weil sobald man Erkältungssymptome hat, soll man ja nicht mehr dorthin gehen, wo man was dagegen bekäme. Darf man noch zum Arzt mit einem Schnupfen? Und ich meine nicht: wegen eines Schnupfens. Sondern mit einem. Vorräte für zwei Wochen sollte ich ebenfalls wieder anlegen. Falls die einen beim Billa verschnupft nimmer reinlassen. So viel zu: Die Pandemie ist für die Geimpften vorbei. (Und wenn ich mein Immunsystem einfach weiterhin nicht trainiere? Also Maske trage und meine Hände desinfiziere?)