Das bürgerliche Österreich ist erschüttert. Während man mit dem SUV durch die Spielstraße brettert, fragt man sich bang, kann es sein, dass die Straßenbahn-fahrenden Loser in Graz diesmal zur Wahl gegangen sind? Wenn ja: Dürfen die das?

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Ganz Europa blickt auf die steirische Landeshauptstadt und fragt sich: Ist diese politikeringewordene Sozialarbeiterin namens Elke Kahr wirklich der neue Pol Pot? Oder ist sie doch mehr der steirische Fidel Castro und wird den Grazer Gemeinderat mit stundenlangen Abrechnungen lahmlegen? Wenn fast 30 Prozent die Kommunisten wählen, scheint alles möglich.

Wie sonst ist es zu erklären, dass nur zwei Tage nach der Wahl die stellvertretende ÖVP-Generalsekretärin (eine politische Rolle, die im Kindertheater dem dritten Zwerg von links entspricht) sagt: "In unserem Haus ist nichts zu finden, wir haben alles gelöscht."

Ist man nicht zu Recht nervös, wenn die zweitgrößte Stadt des Landes möglicherweise bald von einer roten Brigadöse regiert wird, die große Teile ihres Gehalts an soziale Zwecke spendet? Zwischen Lachstartar und Moët & Chandon ist man echauffiert, wie man sich nur der althergebrachten Tradition der persönlichen Gier verweigern kann? Da wackelt doch das Abendland, wenn man ihm die Geschäftsgrundlage des materiellen Egoismus entzieht. Wie soll denn dann ein Unternehmen in Zukunft noch alle zahlen, wenn keiner gezahlt werden will?

In den Villen vom Boden- bis zum Neusiedlersee sieht man mit Sorgenfalten in die Zukunft: Wie wird das weiter gehen, wenn nicht am Schlossberg Schluss ist? Kommt als Nächstes die steirische Rotfrontregierung? Wird die grüne Mark plötzlich dunkelrot? Haben wir zuviel Rotwein angebaut? Ist der Neoaustromarxismus noch zu stoppen? Oder werden aus allen Geheim-, Hof- und Kommerzialräten durch einen Staatsstreich plötzlich Volksräte und es kommt die Räterepublik Österrot? Heißt die Weinkönigin dann wirklich Getränkekommissarin? Und gibt es dann wirklich nur noch Rotgipfler zu trinken?

Schreckensszenarien breiten sich auf Seegrundstücken aus. Panik beherrscht die Chalets. Die nackte Angst regiert die Golfplätze, Whirlpools und den Reiterhof. Und schon sieht man in naher Zukunft den Kanzler - wie einst Kaiser Gütinand den Fertigen - vor den revolutionären Massen fliehen. Gerade noch kann der kurze Kanzler sich mit seiner Entourage, Geldgebern und PR-Beratern nach Ungarn retten.

Dort berichten sie von grausamen Praktiken. Partys bei einem Szene-Gastronom würden untersagt werden, weil bei den dort laufenden Drogen-Geschäften keine Mehrwertsteuer abgeführt wurde. "Obendrein . . .", so der Wirt unter Tränen, ". . . wurde mir gesagt, dass ich Wodka ausschenken soll, der weniger kostet als 200 Euro die Flasche. Was soll das? Ich bin doch kein Volkswirt." Und sogar der Kanzler selbst weiß Erschütterndes zu berichten: "Dieser Zynismus war unmenschlich. Ich hätte bleiben können, aber nie mehr als 30 Euro pro Friseurbesuch ausgeben dürfen. Das ist ein Unrechtsregime."

Und so blickt man mit Tränen in den Augen auf das Wappen der Republik Österreich und da fällt es einem auf. Was hält der Bundesadler denn da schon seit über hundert Jahren in seinen Fängen? Hammer und Sichel.

Ja, man hätte es wissen können.