Letzte Woche habe ich gezeigt, wie mit manipulativen Untersuchungen die Notwendigkeit des Genderns untermauert wird. Es geht darum, ob wir bei Sätzen wie "die Lehrer haben es schwer" an Personen beiderlei Geschlechts denken. Bisher waren sowohl Männer als auch Frauen gemeint.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Die Vertreter der feministischen Linguistik geben zwar zu, dass dies aus grammatikalischer Sicht so ist, aber in vielen Fällen könne es vorkommen, dass nur an Männer gedacht wird. Das sei der sogenannte Male Bias. Gemeint ist eine "männerzentrierte Interpretation von sprachlichen Äußerungen". Diese wird es in Ansätzen wohl geben, aber nicht in jenem Ausmaß, wie sie behauptet wird. Mein Autokorrekturprogramm auf dem Tablet kennt übrigens Male Bias nicht und macht daraus Mail Bias. Es ist mir peinlich, dass ich das letzte Woche übersehen habe, ich bitte Sie um Verzeihung.

Ziehen wir kurz eine unaufgeregte Zwischenbilanz: Das Gendern wird hauptsächlich an den Universitäten und in anderen Bildungseinrichtungen gehandhabt und teilweise mit Gewalt durchgesetzt. Wer nicht gendert, wird ausgegrenzt oder schlechter benotet. Diskussionen über die Sinnhaftigkeit des Genderns werden im Keim erstickt. Die eigentlichen Lehrinhalte treten in den Hintergrund.

Beliebt ist das Gendern vor allem bei den Sozialdemokraten und bei den Grünen, ferner in den Gewerkschaften, auch in der christlichen Fraktion. Dass ein Politiker in der Anrede die "Wählerinnen und Wähler" anspricht, ist allgemein Usus.

Ein weiterer Vorreiter des Genderns sind im deutschen Sprachraum die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. Unlängst war in der ZiB-2-Moderation von "Bäuerinnen und Bäuern" die Rede, die Doppelformen werden oft gedankenlos und automatisiert heruntergerattert. Zeitungen und Magazine werden sich hüten, zu gendern. Dies würde durch Leserverlust ökonomisch bestraft werden.

Das Binnen-I, die Gendersterne, die Unterstriche und die Doppelpunkte im Wortinneren werden sich nicht durchsetzen. Zu kompliziert und auch divergierend sind die Lösungsansätze. Den glottalen Verschlusslaut werden wohl nur Stimmakrobaten hinkriegen. Dass "Studenten" zu "Studierenden" werden - auch das wird es im allgemeinen Sprachgebrauch nicht spielen. Ein "Studierender" ist jemand, der gerade studiert, so wie ein "Wartender" gerade wartet. Wer ins Treffen führt, dass es einen Sprachwandel seit jeher gibt, dem sei gesagt: Veränderungen orientieren sich am Prinzip der Vereinfachung, nicht der Verkomplizierung.

Das Gendern zielt auf wenige Wörter ab, auf Berufsbezeichnungen und Ähnliches. Das ist tröstlich. Was mich ärgert: Es wird ohne demokratische Legitimierung an der Sprache herumgefummelt, gegen den Willen der Sprecher und Schreiber. Eine solide Mehrheit der Bevölkerung lehnt das Gendern ab.

Dass das Gendern den Frauen hilft, ist übrigens durch wissenschaftliche Untersuchungen nicht zu belegen. Viele Frauen sind gegen das Gendern, weil es von den substanziellen Forderungen nach Gleichberechtigung ablenkt.