Nun sitze ich also da mit einer Antenne. Nein, ich bin nicht wunderlich geworden oder habe einen Aluhut aufgesetzt, mit dem ich Signale aus dem Weltall empfange. Vor mir liegt ein frisch geöffnetes Paket, Absender: A1, das eine sogenannte LTE-Außenantenne enthält. Das ist ein viereckiges weißes Kästchen samt Kabelstrang, das mir helfen soll, den WLAN-Empfang im Haus zu verbessern. Eine wohlmeinende, aber offensichtlich sachlich auch nicht ganz sattelfeste Mitarbeiterin meines Telefon- und Internet-Providers hat mir das Päckchen zuschicken lassen. Nachdem ich mich über die Misere mit der Datenrate in der Gegend beschwert hatte. Und zwar nachdrücklich.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Die Sache ist die: Ich zahle für eine Internet-Geschwindigkeit von 80 Mbit per Sekunde. Aus der Leitung tröpfelt aber nur ein Bruchteil davon. Daran gewöhnt man sich nur bedingt, vor allem, wenn die moderne Medienwelt, in der man auch beruflich tätig ist, deutlich mehr Datendurchsatz verlangt. Das TV-Bild ruckelt, Spotify stottert, Dropbox und sonstige Download-Dienste fühlen sich zäh an. Das ist kein Zustand auf Dauer. Zumal mir - wie zum Hohn - ständig A1-Werbung ins Haus flattert, die bis zu 300 MBit pro Sekunde verspricht. Gilt allerdings, soweit ich weiß, nur, wenn man einen Glasfaser-Anschluss besitzt. Das tun nur wenige. Österreich ist, all den "Breitband-Milliarden" der Politik zum Trotz, in Sachen IT-Infrastruktur ein Dritte-Welt-Staat. "Neues Internet braucht das Land!" verkündet selbst A1, die Realität entspricht freilich mehr der alten Post- & Telegraphen-Amtsmentalität. Okay, das ist übertrieben. Aber allmählich werde ich ärgerlich. Ich hänge seit Jahrzehnten am Computer, der Datentransport ist ebenso lang von Funklöchern, WLAN-Wüsten und leeren Versprechungen geprägt. Zeit, etwas zu ändern.

Die LTE-Antenne wird das Problem absehbar nicht beheben. Es fängt ja schon damit an, dass ich Löcher in die Wand bohren müsste, um die Kabel durchzuziehen. Meine Freundin dreht durch, wenn ich das probiere. Und, jede Wette, damit ist keine Verbesserung garantiert. Neulich war ein Trupp freundlicher junger Männer bei uns im Keller und hat irgendein Kastl aus- und ein anderes wieder eingebaut. "So, jetzt sollte es funktionieren!", sprachen mir die Monteure Zuversicht zu. Denkste. Keinerlei Verbesserung. Angeblich liegt es daran, dass "der Knoten" (so raunten sie) in diesem Bezirk - immerhin dem bevölkerungsstärksten Wiens - unterdimensioniert sei. Auch die A1-Internet-Wunderwaffe, ein Hybrid-Modem, das Signale sowohl aus der Leitung als auch aus der Luft empfängt, kann da wenig ausrichten. Vielleicht klappt es ja, wenn demnächst statt LTE 5G ins Haus einzieht? Einmal mehr ein fröhlicher Technik-Ringelreih samt Hardware-Tausch.

Was jedenfalls nicht schuld ist an der Misere, ist die haushaltseigene Infrastruktur. Denn hier habe ich aufgefahren, was der Markt zu bieten hat: ein Orbi Pro WiFi 6 Business Mesh-WLAN-System von Netgear. Und alternativ das Powerline-Paket von Devolo, auch in der neuesten Version mit Mesh-Technologie (fragen Sie mich bitte nicht, was das ist). Ich freue mich schon auf das nächste Gespräch mit Herrn Müller, dem PR-Mann von Devolo. Denn er wird wie mich hunderte erzürnte, enttäuschte Kunden trösten müssen: Wenn kaum Wasser aus der Wasserleitung tröpfelt, hilft auch der teuerste High Tech-Schlauch nicht.