Fette Beute in der Tasche: Mark Hofman hat einen Karpfen gefangen . . . 
- © Schmickl

Fette Beute in der Tasche: Mark Hofman hat einen Karpfen gefangen . . .

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Angeln wird an sich für eine kontemplative Tätigkeit gehalten. Man sitzt verträumt irgendwo am Ufer und wartet, bis ein Fischlein anbeißt. So kann man es machen. Es geht aber auch anders, wie ich heuer im Spätsommer erfahren durfte. Da hatte ich an der Alten Donau einen Speed-Fischer als Nachbarn zu Gast.

Von Kontemplation, Ruhe und Gelassenheit kann beim Niederländer Mark Hofman keine Rede sein. Der drahtige junge Mann, ein Star der internationalen Karpfenfischerszene, ist zwischen 14 und 16 Stunden pro Tag im Einsatz und in Bewegung. Das beginnt damit, dass er sich eben nicht irgendwo ans Ufer setzt, sondern den gesamten Fluss mit (s)einem Boot erkundet, Futter verstreut und danach buchstäblich abtaucht, um an verschiedenen Stellen Unterwasserkameras zu installieren. Mittels derer kann er auf seinem Laptop jederzeit überprüfen, was sich an bestimmten Plätzen tut.

. . . den er anschließend wieder in die Freiheit entlässt. 
- © Schmickl

. . . den er anschließend wieder in die Freiheit entlässt.

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Und es tut sich erstaunlich viel. Wer die Alte Donau für ein stillgelegtes, weitgehend unbelebtes Wässerchen für lediglich Badefreuden und Tretboottouren gehalten hat, wird rasch eines vital Besseren belehrt: Dichte Schwärme an kleinen und großen Fischen durchziehen die Wasserwelten vom oberen Floridsdorfer Beginn bis zum unteren Kaisermühlener Ende (oder - je nach Bezirkspräferenz - anders herum). Es schaut aus wie in einem "Universum"-Film über den Amazonas - so viel schwimmt und bewegt sich da unter der Oberfläche. Nur die Piranhas fehlen. Dafür gibt es Hechte, Welse (da wurde schon einmal ein über zwei Meter langes Exemplar gefangen!) - und eben Karpfen.

Auf die hat Mark Hofman es abgesehen. Wenn sich ein Exemplar in sein - medial erweitertes - Blickfeld begibt, wird der "Big-Fish-Angler" so richtig aktiv. Teils befestigt er vom Ufer aus Angelgerätschaft, teils wirft er vom Boot aus Köder und Angelhaken aus. Meist dauert es nicht allzu lange, bis ein Fisch da oder dort anbeißt. Dann beginnt das spannende Spiel mit Ziehen, wieder Loslassen und neuerlichem Heranziehen der Angelschnur, bis der Karpfen so weit arretiert ist, dass er in eine dafür bereitgelegte "Tasche" im Wasser gelegt wird. Von dort kurzzeitig an Land verfrachtet, wird er zuerst gewogen (der schwerste hatte heuer rund 30 Kilo) und dann von seinem Bezwinger in die Arme genommen, der sich mit der Beute filmen und fotografieren lässt. Danach wird der Fisch wieder ins Wasser geworfen, um sein - kurzzeitig bedrohtes - Leben unbehelligt fortzuführen. (Falls er sich bei dem Fang sichtbar verletzt haben sollte, wird er von dem auch in dieser Hinsicht bestens ausgerüsteten Angler mit Antibiotika versorgt.)

Mark Hofman ist Sport- und Abenteuerfischer, kein Jäger nach Essbarem. Es ist auch nicht (nur) sein Hobby, das er seit seinem siebenten Lebensjahr ausübt, sondern sein Beruf - von dem er gut leben kann: Mehr als 15.000 Follower hat seine digitale Plattform, wo für Fotos, Filme und allerlei praktische Tipps bezahlt wird. Werbung macht ein Übriges. Dafür hat der Mann anstrengende Arbeitstage (und -nächte), wie ich miterleben durfte. Solch einen aktiven und interessanten Nachbarn hatte ich im Sommer noch nie am Haken.