Es ist undenkbar. Aber doch könnte es sein. Nur eine Möglichkeit. Aber ist sie wirklich realistisch? Man kann es sich eigentlich gar nicht vorstellen und
doch . . . Ja. Es wäre möglich.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Was?

Nein, nicht ob der Sebastian das gewusst hat. Oder nicht. Wen interessiert das denn, ob der, der von mit Steuergeld bezahlter Hofberichterstattung und frisierten Meinungsumfragen profitiert, auch davon gewusst hat? Das ist doch unerheblich. Die betreffenden Berichte sind schließlich alle in einer Zeitung namens "Österreich" erschienen. Ein Blatt, das mit Journalismus, Recherche und anständiger Berichterstattung so viel zu tun hat, wie ein Straßenköter in Palermo mit einem Rennpferd in Ascot. Ja, beide haben vier Beine.

Wer seine Informationen über dieses Periodikum bezieht und sie obendrein für wahr hält, glaubt auch an die jungfräuliche Geburt und die musikalischen Qualitäten von Andreas Gabalier.

Genauso egal ist natürlich auch, welche anderen ÖVP-Politiker oder -innen statt Sebastian dem Kurzen Bundeskanzler oder -in werden könnte. Man diskutiert ja auch nicht die Frage beim Heurigen, welches Mineralwasser man bestellt, wenn einmal der Wein ausgehen sollte. Wenn der Wein ausgeht, ist Untergang. Ende. Finito. Höllenschlund. Armageddon. So schaut’s aus.

Erst recht wenn die Grünen, diese Wahnsinnigen, dann plötzlich Forderungen stellen: "Eine untadelige Person" soll die ÖVP nominieren. Was? Woher soll man die denn nehmen? So was kann man sich ja nicht stricken. Noch dazu aus der Volkspartei!

Ein Blick zurück in die Partei und man sieht: Ernst Strasser (verurteilt), Josef Pröll (Ermittlungen laufen), Gernot Blümel (Ermittlungen laufen), Thomas Schmid (Ermittlungen laufen), Hartwig Löger (Ermittlungen laufen), Wolfgang Brandstetter (Ermittlungen laufen), und und und. Also lassen wir das. Das ist doch Kasperltheater!

Die Situation ist ernst. Die Stimmung in der ÖVP-Parteizentrale ist wie in der 20-Zimmer-Villa des Sektenführers, wenn die Steuerfahndung klopft. Wie im erzbischöflichen Palais, wenn wieder neue Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch auftauchen. Oder wie in der Deutschen Heeresleitung im September 1918: Der Krieg ist verloren, aber niemand spricht es aus. Für den Drecksjob schickt man unerfahrene Demokraten vor, denen man im Nachhinein die Schuld daran geben kann.

Also um all das geht es nicht.

Aber etwas anderes ist möglich. Vielleicht sogar schon greifbar. Ein Hauch von Chance existiert, dass . . . Und jetzt trau ich mich selbst fast nicht, es nieder zuschreiben . . . Aber doch: dass es eine Regierung geben könnte, ohne die Beteiligung der Volkspartei. Wahnsinn, oder? Nach 35 Jahren zum ersten Mal.

Man weiß ja gar nicht. Ist das erlaubt? Oder marschiert dann der Vatikan ein? Vielleicht stürmen die Tiroler Schützen den Railjet nach Wien und entführen ihn nach Ischgl? Ergießen sich womöglich SUV-Kolonnen von Hietzing und Döbling in Richtung Ballhausplatz, vollbesetzt mit fanatisierten Anhängern, die bis an die Zähne mit Haarspray und Aktienpaketen bewaffnet sind?

Oder es geschieht ein Wunder. Österreich hat ja schließlich auch eine Antikorruptionsakademie.

Warum dann nicht auch mal eine Regierung ohne ÖVP?

Das wäre ja echt einmal ein ganz "neuer Stil".