Relikt einer fernen Hochkultur: eine etruskische Bronzebüste aus der Ny Carlsberg Glyptothek in Kopenhagen. 
- © Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Relikt einer fernen Hochkultur: eine etruskische Bronzebüste aus der Ny Carlsberg Glyptothek in Kopenhagen.

- © Wolfgang Sauber, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Es ist eines der großen Rätsel der Alten Geschichte, und das nicht erst heute. Bereits in der Antike fragten Historiker nach der Herkunft eines Volkes, das Italien und den westlichen Mittelmeerraum durch seine Hochkultur für Jahrhunderte mitgeprägt hat: die Etrusker.

Reste monumentaler Tempel und Paläste, kunstvolle Grabanlagen, Schmuck und Alltagsgegenstände erwarten Besucher der Grabungsstätten und Museen der heutigen Toskana und darüber hinaus. Allerdings unterschieden sich Sprache und materielle Kultur der Etrusker stark von jenen der übrigen Völker Altitaliens, was schon die Zeitgenossen unterschiedlich zu erklären versuchten. Der griechische Historiker Herodot etwa plädierte im 5. Jh. v. Chr. dafür, dass die Etrusker einst aus Kleinasien, also aus dem Gebiet der heutigen Türkei, nach Italien eingewandert seien. Herodots Kollege Diodor sprach sich dagegen im 1. Jh. v. Chr. für eine autochthone Abstammung aus Italien aus.

Diese beiden Positionen fanden ihren Widerhall in der modernen Etruskologie: Namhafte Forscher entschieden sich mit unterschiedlichen Argumenten für oder gegen eine der beiden Theorien. Andere wählten einen differenzierten methodischen Ansatz und meinten, dass sich das Volk der Etrusker vor rund 3.000 Jahren auf dem Boden Altitaliens formiert habe, wobei unterschiedliche Bevölkerungsgruppen beteiligt gewesen seien. Die Möglichkeiten der modernen DNA-Analysen antiker Skelette hat die Frage nach der Herkunft der Etrusker erneut befeuert.

So wurden jüngst die Resultate von Untersuchungen publiziert, die nachweisen sollen, dass sich das Erbgut der alten Etrusker nicht von jenem der übrigen Bewohner Altitaliens unterscheidet. Bleibt die Tatsache der Andersartigkeit der etruskischen Sprache und Kultur. Zwar ist es mittlerweile möglich, die schriftlichen Hinterlassenschaften dieses Volkes - Grabinschriften, Verträge, religiöse Texte - weitgehend zu verstehen, doch bleiben viele Fragen unbeantwortet, auch, weil kein von den Etruskern selbst verfasstes Werk die Jahrtausende überdauert hat.

Dem Etruskischen verwandte Sprachen finden sich zudem nicht nur im Gebiet der heutigen Toskana, sondern auch in Norditalien am Rande der Alpen und sogar auf der Ägäisinsel Lemnos. Eine von Linguisten vorgeschlagene Erklärung wäre, dass das Etruskische seine Wurzeln in einer uralten Sprache der Jungsteinzeit gehabt habe, die sich in einzelnen Regionen gegenüber jener späterer Zuwanderer nach Europa behauptete.

Trotz aller Unsicherheiten bleibt eines gewiss: Die faszinierende etruskische Kultur wird weiterhin dafür sorgen, dass dieses geheimnisvolle Volk seinen Platz in den Geschichtsbüchern behält.