Während in Österreich wieder alles ganz, ganz normal und über die Maßen gemütlich abläuft, sind die Schwesterparteien der ÖVP (Kurz für: Öffentliche Verbal Patzereien) in Deutschland, also die CDU und CSU, nach einem etwas unerfreulichen Wahlergebnis ein bisschen in der Krise. Die einen glauben, die Mutter aller Wahldesaster liege am Kanzlerkandidaten, die anderen meinen Mutti selbst war schon das Desaster. Und so manch einer wünscht sich "Einen wie Kurz" für die Union. Zumindest bis vorigen Mittwoch. Der große Vorsitzende der jungen Union etwa. Wobei der Name "junge Union" schon so etwas ist wie "trockenes Wasser", da die große Mehrheit der Jung- und Erstwähler die Grünen oder die FDP gewählt haben. Trotzdem gibt es unter den Keimlingen im konservativen Gewächshaus eine Sehnsucht nach Kürze.

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

Vielleicht auch gerade jetzt, da man sieht: Egal, was auch passiert, mit Kurz wird weiterregiert. Und der neue Kanzler benutzt auch noch den kurzen Twitter-Kanal.

Denn das ist wahrscheinlich auch das größte der Probleme der deutschen unierten Christenheit, die Absenz eines Regierungsmandats. Denn eine Regierung ohne Union ist ja noch irgendwie vorstellbar, aber eine Union ohne Regierung?

Das wäre ja so, wie wenn Facebook eines Tages ausfallen würde. Und WhatsApp und Instagram! Das war ja kürzlich. Und . . .? Es war entsetzlich! Menschen haben in diesen sieben Stunden fürchterliche Dinge getan: Bücher gelesen, das gesamte Geschirr gespült, Socken nach Farbe sortiert oder Zeit mit ihren Kindern verbracht! Mit spielen! Und lachen! Und singen. So etwas das darf nie wieder passieren!

Wo sollen denn die Menschen sonst ihre schlechte Laune herkriegen?

Angeblich wäre das ja alles nur wegen eines kleinen Updates passiert, eines Konfigurationsproblems. Ja, kennt jeder Smartphonebesitzer. Da lädt man sich was rauf und dann funktioniert das überhaupt nicht. Ob dieses inkompatible Update wirklich Armin geheißen hat und kein sch sprechen kann, ist nicht bekannt. Vielleicht hieß es ja auch Alexander?

Oder es stimmt alles gar nicht und dahinter steckt wer anderer? Die russische Verschwörung der jüdischen Golfplatzbetreiber aus Nordafghanistan und dem Tiroler Unterland, die ja auch für die Impfskepsis der Buckelwale verantwortlich sind, weswegen jetzt in Kalifornien die Wälder brennen. Kann man aber auch nicht mit Sicherheit sagen, weil ja Facebook nicht online war. Und dort sind ja die seriösen Quellen für solche Fälle zuhause.

Nicht mehr dort zuhause ist die Whistleblowerin Frances Haugen. Die hat nämlich interne Studien von Facebook an die Öffentlichkeit getragen, in denen steht, dass sich auf all diesen asozialen Geweben Menschenhändler, Drogenkartelle und Auftragskiller bewegen. Obendrein sollen sie extrem negative Folgen auf die Psyche von Teenagern haben (aber natürlich nur, sofern diese Teenager nicht Menschenhändler, Drogenhändler und Auftragskiller sind). Da fragt man sich doch, ob man nicht mal Facebook selbst abschalten sollte. Instagram löschen. WhatsApp vom Smartphone kicken. Ist vielleicht angenehmer. Das wäre dann so wie . . ., wenn nicht immer dieselbe Partei regiert.

Klingt irre: Das nennt man Demokratie.