Was sagt die Farbenlehre über das 2017 von Sebastian Kurz eingeführte Türkis und das in einigen Bundesländern nach wie vor geltende Schwarz?

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Beginnen wir mit jener Farbe, die auch als Blaugrün oder Grünblau bezeichnet wird. Bringt man die Etymologie ins Spiel, so passt die Farbe nicht zu einer Partei mit restriktiver Ausländerpolitik. Denn in "türkis" steckt das Wort "türkisch".

Der Ausdruck leitet sich von der Farbe eines Minerals und Schmucksteins ab. Die Steine stammten im Mittelalter durchwegs aus dem Gebiet des heutigen Iran und wurden in der Türkei gehandelt. Heimkehrende Kreuzfahrer brachten den Stein nach Europa. Anfang des 13. Jahrhunderts kam die französische Bezeichnung turkoys auf, später pierre turquoise, also "türkischer Stein". Türkis gilt heute als modern, viele Unternehmen verwenden die Farbe in ihrem Design.

Sebastian Kurz wollte seiner Partei ein modernes Image verpassen und gleichzeitig mit der Tradition brechen. Aber Türkis hat auch einen Nachteil: Es ist eine recht kühle Farbe, emotionale oder soziale Wärme lässt sich damit nicht vermitteln. Aber das war auch nicht geplant. So jung Türkis ist, so alt ist Schwarz. Sie ist die dunkelste aller Farben und gehört wie Weiß und Grau zu den unbunten Farben, ist keine Farbe im eigentlichen Sinn. Ein Körper hat die Farbe Schwarz, wenn er bei Beleuchtung mit allen Frequenzen des Lichts (fast) kein Licht zurückwirft. Im Althochdeutschen gab es swartz für trübes Schwarz und blach für kräftiges Schwarz. Im Deutschen hat sich schwarz durchgesetzt, das Englische verwendet black. Im deutschen Sprachraum wurde "schwarz" bereits im 19. Jahrhundert mit dem bürgerlichen Konservativismus und mit der Soutane der Geistlichen assoziiert, auch die Christlichsozialen waren "die Schwarzen". Heute ist Schwarz die Parteifarbe der ÖVP, aber auch der Christlich Demokratischen Union CDU. Sebastian Kurz wollte das Christlich-Soziale in der ÖVP zurückdrängen, Türkis statt Schwarz: Wer der FPÖ in größerem Umfang Wähler abspenstig machen will, darf nicht christlich-sozial denken und wird der Kirche hin und wieder auf die Zehen treten. Gab es da nicht Mails zwischen Thomas Schmid und Sebastian Kurz? Dass Schwarz auch die Farbe der Anarchisten und der Black-Metal-Musikszene ist, können wir vernachlässigen. Insgesamt ist Schwarz zwiespältig zu sehen.

Schwarz signalisiert Noblesse, Macht und Stärke: Man denke an schwarze Bekleidung - Schwarz ist immer elegant - oder an schwarze Limousinen. Architekten, Jazzmusiker und Existenzialisten tragen häufig schwarz. Problematischer ist die Assoziation mit den Begräbnisritualen. Bei den liturgischen Farben steht Schwarz für Trauer. Außerdem werden mit "Schwarz-" viele Komposita mit der Bedeutung "illegal" gebildet: Schwarzfahren - war da nicht was? - Schwarzarbeit, Schwarzbrennen, Schwarzgeld, Schwarzmarkt etc. Ich bin neugierig, wann sich die ÖVP wieder in einer einheitlichen Parteifarbe präsentiert. Für Neues ist nicht viel Platz: Rot, Blau, Grün und Pink sind vergeben, die Orangen (BZÖ) waren eine kurzlebige Erscheinung, die Gelben (Liberales Forum) auch.