"Wir brauchen mehr geimpfte Leute in Österreich", hat der Gesundheitsminister in der "ZIB 2" am Mittwoch gesagt. Ja eh, brauchen wir. So dringend wie die Briten Lkw-Fahrer. Doch woher sollen die kommen? Ganz einfach: vom heimischen Arbeitsmarkt. Die Lkw-Fahrer? Nein, die Geimpften.

Die 3G-Regel am Arbeitsplatz, dass man dort also ab November (mit einer Übergangsfrist bis zum 14.) nur noch geimpft, genesen oder getestet erscheinen darf, soll diese begehrte Spezies nämlich massenhaft produzieren: den Homo vaccinatus. Den geimpften Menschen. Und man muss anscheinend eine perfide Zermürbungstaktik anwenden, damit die impfunwilligen Arbeitnehmer irgendwann aufgeben und sich reumütig in die Spritze stürzen (oder vom täglichen Testen ein Burnout kriegen und in den Krankenstand gehen und wenigstens keine Kollegen mehr anstecken können), bloß weil man keine Impfpflicht einführen will. Wegen des Pflegepersonals. Denn gerade von diesem würden angeblich fünf bis zehn Prozent eine Impfpflicht nicht akzeptieren. Und wer pflegt dann die Covidkranken? Hm. Und wenn sich diese fünf bis zehn Prozent jetzt trotzdem umschulen lassen? Auf Lkw-Fahrer und -innen? Und in Großbritannien an die Tür klopfen und erst recht weg sind?

Was, wenn die Impfverweigerer geschlossen den Beruf wechseln? Ein paar Jobs gäb’s für sie schließlich noch (abgesehen vom Lkw-Fahrer, der in seiner Fahrerkabine quasi in Quarantäne ist), zumal ein 3G-Nachweis ja lediglich zu erbringen ist, "wenn am jeweiligen Arbeitsort ein physischer Kontakt zu anderen Personen nicht ausgeschlossen werden kann". Förster zum Beispiel. Oder Golfballtaucher. (Verirrte Ballerln aus den Teichen auf Golfplätzen fischen.) Moment: "physischer Kontakt" - schüttelt man den "anderen Personen" halt nicht die Hand, Problem gelöst.

Ach so, die meinen, dass man mit jemandem im selben Raum ist. In dem Fall kämen Parksheriff oder Straßenkehrer eher nicht in Frage. Die halten sich erstens im öffentlichen Raum auf (und in dem haben viele andere Personen Platz), und zweitens könnten sie sich gegenseitig über den Weg laufen. He, die Invaccinati (klingt, als müsste Dan Brown einen Mystery-Thriller über die schreiben) könnten hoffen, dass es noch vor dem 15. November Neuwahlen gibt und sie ins Parlament einziehen. Okay, höchst unwahrscheinlich. Beides. Im Parlament darf die 3G-Regel jedenfalls nicht exekutiert werden. Äh, weil die parlamentarische Immunität auch vor Corona schützt? Blödsinn. Irgendwas mit "Das freie Mandat geht vor".

Tja, das wird wohl nix mit der 85-prozentigen Durchimpfungsrate. Derzeit liegen wir grad einmal bei 65,19 Prozent, die mindestens einen Stich haben, das sind 5.823.532 Personen. (Stand: 19. Oktober, 23.59 Uhr.) Folglich werden wir das durch Zuwanderung regeln müssen. Kurzum: Wir müssen Geimpfte aus dem Ausland anwerben. Aus Afghanistan? Rumänien? Und wie viele überhaupt? Meine Schwester, die sich mit Zahlen leichter tut als ich, hat es mir ausgerechnet. Sie kommt auf - 11.800.000! Nachher hätte Österreich zwar plötzlich fast 21 Millionen Einwohner (statt knapp neun Millionen), von denen aber 85 Prozent immunisiert wären. Und die sich sehr zusammenkuscheln müssten. Kuscheln? Nicht unbedingt ideal während einer Pandemie. Oh, die wäre ja vorbei!