"Am Samstag reißt da Wöd an Haxn aus - mit Deiner Kotz. Wannst a Kotz host. Aber am Sunntag? Was machst am Sunntag?" so fragte sich schon Kurt Sowinetz in den 70er Jahren von existenzialistischer Langeweile getrieben. Dieses Wochenende ist es noch schlimmer. Nach dem Sonntag gilt es auch noch einen Montag zu überstehen. Und der Dienstag will auch noch begangen werden. Schließlich ist Nationalfeiertag. Da feiert sich die Nation. Aber wie macht man das?

Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.
Severin Groebner ist Kabarettist, Autor ("Lexikon der Nichtigkeiten") und betreibt seinen Videoblog "Der Verklärbär" auf YouTube und Facebook.

In Deutschland kennt man den "Volkstrauertag". Eingeführt nach dem Ersten Weltkrieg, um der Kriegstoten zu gedenken. Nur der eigenen, versteht sich. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich langsam die Erkenntnis durch, dass in so einem Krieg auch andere Leute sterben. Während des Zweiten Weltkriegs starben sogar Menschen, weil sie dem Regime unliebsame Verwandtschaft hatten. Und das Sterben wurde industriell organisiert. Weswegen man heute am Volkstrauertag an Kriegstote und Opfer von Gewaltherrschaft aller Nationen gedenkt.

Die erste Assoziation zum Namen "Volkstrauertag" war meinerseits aber immer, dass das jener Tag ist, an dem die Deutschen - als Volk - traurig darüber sind, dass sie die Deutschen sind. Und keine Franzosen, Belgier, Andorraner oder Senegalesen. Dass sie da sitzen in dem verregneten Land mit fragwürdiger Küche und ebensolchem Rhythmusgefühl.

So einen Tag sollte man einführen. Und zwar weltweit. Einmal im Jahr sollten auch die Franzosen in bitterer Erkenntnis daran denken, dass sie sich wie arrogante Wichtel benehmen, süchtig nach Atomstrom sind und sich als Kolonialmacht sehr, sehr unbeliebt gemacht haben. Mögen doch die USA sich am 4. Juli feiern, wenn sie an einem anderen Tag dafür kollektiv einsehen, dass sie unerträgliche Großmäuler sind, deren größte kulturelle Leistung darin besteht, dass heute die halbe Welt glaubt, der Weihnachtsmann wäre Außendienstmitarbeiter eines Getränkekonzerns.

Und auch Russland, die Türkei, China und ein Dutzend anderer Staaten könnten einen Tag im Jahr dazu nutzen, sich einzugestehen: "Wir sind solche unselbstständigen Deppen, die zu faul zum selber denken sind, dass wir uns seit hundert Jahren von jedem daher gelaufenen Despoten auf der Nase herumtanzen lassen."

Und auch in diesem schönen Land könnte man einen solchen Tag der nationalen Selbsterkenntnis etablieren. Der Soschautsaus-Tag. Oder der Traurig-aber-wahr-Tag. Oder - um den sehr geehrten Herrn Bundespräsidenten zu paraphrasieren - den So-sind-wir-leider-schon-Tag. Und da holen wir mal alles raus. Legen unsere Smartphones auf den Tisch und lesen uns die letzten Schweinereien vor, die wir geschrieben haben, legen die Umfragen offen und die Berichterstattungen, die wir gekauft haben, wir machen reinen Tisch und geben einfach mal zu, dass wir regelmäßig seit der Gegenreformation jeden kritischen Geist bei erstbester Gelegenheit vertrieben oder umgebracht haben. Und dass das mit der Gemütlichkeit nichts als ein Marketinggag für den Tourismus ist. Wir lassen die Hosen runter und beantworten auf Pressekonferenzen Fragen, die uns nicht passen. Einmal im Jahr. Und dann können wir uns am 26. Oktober selber feiern. Ist ja ein falscher Sonntag. Was soll man da auch sonst machen?