Wie haben Sie den vergangenen Montag verbracht? Sind Sie verreist? Haben Sie sich in einem Einkaufszentrum nach Sonderangeboten umgeschaut? Oder war es für Sie ein gewöhnlicher Arbeitstag? Nach dem Motto: Wenn der Chef nicht da ist, kann ich in Ruhe arbeiten.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Ein einzelner Tag zwischen zwei arbeitsfreien Tagen, in unserem Fall zwischen dem Sonntag und dem Nationalfeiertag, der dieses Mal auf einen Dienstag fiel, wird in Österreich Fenstertag oder Zwickeltag genannt, in Deutschland und in der Schweiz Brückentag. Als Wiener verwende ich den Ausdruck Fenstertag, das Wort Zwickeltag ist mir fremd. Wobei ich bemerke, dass Zwickeltag in der Werbung immer häufiger vorkommt. So hat beispielsweise das Einrichtungshaus XXXLutz am Sonntag in ganzseitigen Inseraten mit folgendem Text geworben: "Von Montag, 25. Oktober, bis Dienstag, 2. November: Zwickeltage. 25 Prozent auf Ihren Einkauf." Man beachte den Plural. Hier ist es zu einer Bedeutungserweiterung gekommen. Es geht nicht um einen einzigen Tag, sondern um einen größeren Zeitraum. Wer in einer Fünf-Tage-Woche arbeitet, kann den Nationalfeiertag günstig nützen: Mit vier Urlaubstagen bekommt er neun arbeitsfreie Tage. So wie XXXLutz denken vermutlich viele Arbeitnehmer. Für sie sind auch der Mittwoch, der Donnerstag und der Freitag Zwickeltage, sie "überbrücken" mehrere Arbeitstage, die zwischen Feiertagen "eingezwickt" sind, schließen damit alle "Fenster" der Woche.

Das Wort Zwickel ist verwandt mit Zweck und mit zwicken, gemeint ist ein keilförmiges Stück, zum Beispiel im Schritt einer Hose. In der Wienerwald-Gemeinde Eichgraben gibt es einen Zwicklweg - der Fußweg verbindet zwei spitz zusammenlaufende Straßen, er ist eine Art Abschneider in einem kleinen Park. In den romanischen Sprachen wird vor allem "die Brücke" zur Wortbildung verwendet. Im Französischen heißt der Brückentag "le pont". "Mehrere Brückentage nehmen" heißt "faire le viaduc". Wer sich zu Beginn eines Jahres in die Urlaubslisten nicht nur Brücken, sondern Viadukte einträgt, wird sich allerdings bei seinen Kollegen unbeliebt machen. Analog zum Französischen heißt es im Spanischen "el puente", im Italienischen "il ponte". Demselben Gedanken folgt das Tschechische und das Slowenische, mit einem Ausdruck, der ins Deutsche übersetzt "Überbrückungstag" lautet. Im angloamerikanischen Raum ist "bridge day" bekannt, aber nicht gängig. Vielleicht würde man an ein weltweit verbreitetes Kartenspiel denken.

So gesehen stehen wir mit unserem Fenstertag ziemlich allein da, und mit dem Zwickeltag erst recht. Andererseits haben regionale sprachliche Eigenwilligkeiten einen besonderen Reiz.

Wo in Österreich die Grenze zwischen dem Fenstertag und dem Zwickeltag verläuft, kann ich nicht sagen. Das Einrichtungshaus XXXLutz hat seinen Firmensitz in Wels. Ich habe den Eindruck, dass in Oberösterreich "Zwickeltag" der gängige Ausdruck ist. In Wien ist es offensichtlich der "Fenstertag", die Moderatoren von Radio Wien haben in den letzten Tagen nur vom Fenstertag gesprochen, nie vom Zwickeltag. Und wie ticken die anderen Bundesländer?