"Wir wollen keine Angst verbreiten." Das ist kein Satz, mit dem man keine Angst verbreitet. Eher bewirkt er das Gegenteil. Vor allem dann, wenn er in einem verschwörerischen, raunenden Ton vorgetragen wird. Nun ist die Broschüre, der ich diesen Satz entnehme, gewiss von gewieften PR-Fachkräften geschrieben worden - sie lag am Nationalfeiertag diversen Tageszeiten bei. "Unser Heer. Immer da für Österreich." Eine Werbebeilage, ja, wofür eigentlich? Für die Bevölkerung unseres Kleinstaats. Der ein ObstdG (was so viel wie Oberst des Generalstabsdienstes an der Militärakademie in Wiener Neustadt bedeutet, wie man erfuhr) die Gefahren eines Blackouts erklärte. Wenig vertrauenserweckend, um es vorwegzunehmen. "Die Menschen wären zunächst einmal auf sich allein gestellt", tönte er. "Denn die Bevölkerung muss - und kann - sich auch selbst helfen." Na dann. Das Stromnetz sei anfällig für "hybride Bedrohungen", die mit alten Militärdoktrinen kaum mehr zu tun hätten. Immerhin war auch ein Hinweis zu entdecken, dass doch auch das Bundesheer existiere. Und 53.000 Soldaten und Soldatinnen für die Bewältigung von Krisen und Katastrophen bereitstünden. Und über die notwendigen Kenntnisse und Ausrüstungen verfügten, um handlungsfähig zu bleiben. Dennoch (und ich las das gar nicht zynisch) solle man vorsichtshalber Vorräte für den Notfall ("Blackout. Was tun?") anlegen. Etwa: Nudeln, Reis, Wasser, ein Radio mit Batterien, Taschen- und Stirnlampen, Gaskocher, Schlafsäcke und warme Kleidung, aber auch Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen. Und das Auto bitte immer "halb vollgetankt" (sic!) in der Garage stehen lassen!

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Irgendwie passte das alles zeitlich und inhaltlich gut zur Ankündigung eines Krisensicherheitsgesetzes durch die Regierung. Und der Meldung, es werde eine Zentrale für Krisenmanagement ("Bundeslagezentrum") im vierten Untergeschoß des Innenministeriums errichtet, in der man auf 2.000 Quadratmetern "drei Krisen gleichzeitig" bewältigen könne. Ein retrofuturistischer Führerbunker in der Wiener Innenstadt? Gibt man die bisherige "Einsatzzentrale Basisraum" in Sankt Johann im Pongau auf? Was tun, wenn zeitgleich vier Krisen oder mehr anrollen? Fragen über Fragen.

Difficile est satiram non scribere. Es fällt schwer, keine Satire zu schreiben - aber was wusste der alte Römer Juvenal schon von den Krisen der Neuzeit? Das Thema ist ja eigentlich bitterernst. Aber ist es auch real? Ständig ist jetzt vom Blackout die Rede. Vom kommenden Blackout, vom wahrscheinlichen Blackout, vom unvermeidlichen Blackout. Wer bitte trommelt das? Und warum? Gibt es konkrete Befürchtungen? Oder sind es, so üblich wie übel, Polit-Strategien und Angst-Business?

Die Nachfrage ist dringend notwendig. Vielleicht sollte die Heeresministerin, die ja sonst viel heiße Luft von sich gibt, einmal Klartext sprechen. Oder sonst irgendjemand aus dem Generalstab. Meinetwegen auch der Innenminister. Oder der Bundespräsident. Denn, wie gesagt: Merksätze wie "Ruhe bewahren. Überlegt und geplant handeln. Einander gegenseitig unterstützen" ("Das Wichtigste im Blackout") helfen kaum in Sachen präventiver Ruhigstellung. Im Gegenteil: Sie schüren Ängste. Die frischen Erfahrungen mit der Covid-Pandemie und die mental weithin noch unbewältigte Planlosigkeit der Regierung tragen das ihre dazu bei.