Ich werde immer wieder einmal um einen Tipp gebeten. Das ist ehrenvoll, bisweilen aber auch lästig. Meine Kompetenz ist beschränkt auf die Erfahrungswerte eines interessierten Laien, ich bin weder Ingenieur, Mechatroniker, Elektrotechniker oder IT-Fachmann. Und oft genug als gemeiner Konsument schon am Ende meines Lateins angelangt. Dennoch vermag ich ab und an hilfreiche Hinweise zu geben oder von Erfahrungen zu berichten, die über Binsen vom Typus "Never touch a running system!" hinausgehen. Und bisweilen ist es das Leben selbst, das als Teststrecke herhalten muss. Ernsthafter geht es kaum. So gurke ich seit einigen Wochen mit meinem ersten E-Bike herum, das ich käuflich erworben habe. Und will nun darüber berichten. Offensichtlich gibt es in diesem Sektor vermehrten Bedarf für strikt subjektive, schonungslose Urteile. Einerseits sind Fahrräder mit Elektroantrieb schwer in Mode gekommen (nicht zuletzt durch die schrittweise Zurückdrängung des Autoverkehrs in Großstädten), andererseits sind die Dinger immer noch vergleichsweise teuer, exotisch und weithin unerprobt. Also: Neuland selbst für Biker, die seit ihrer Kindheit mit dem Rad unterwegs sind. Bringt es der zusätzliche Elektroantrieb? Wird das Gefährt nicht zu komplex, zu schwer, zu unhandlich? Wie oft muss ich die Batterie laden? Ist das eigentlich noch ein Drahtesel im herkömmlichen Sinn? Und darf ich damit zum Beispiel leger (oder gar rasant) auf dem Radweg dahinbrausen?

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Fragen über Fragen. Nun habe ich in den letzten Jahren alle möglichen Pedelecs, E-Bikes und sonstige Konstruktionen getestet - nicht zuletzt für diese Kolumne. Ein gebrochenes Schlüsselbein zeugt von meinem unbeugsamen Willen, die Alltagstauglichkeit der Gattung zu erforschen. Mein Testparcours war gewiss nicht systematisch abgesteckt, eher nach Lust und Laune, aber man gewinnt schon einen Eindruck. Und zwar, um das Resultat vorwegzunehmen, einen klar positiven. Bei Fahrstrecken von wenigen Kilometern sind Fahrräder mit Hilfsmotor allemal eine Alternative zu Bus, Bahn, Bim und vor allem dem eigenen Auto. Ausprobieren! Das ist (fast immer) der - so banale wie zentrale - Ratschlag.

Ich habe mir ein Sushi Bike aus München kommen lassen. Und zwar extra eine uncoole, dafür bequeme Variante ("California Roll"), das dennoch in punkto Schlichtheit und Eleganz jeden Designpreis gewinnen könnte. Weil es noch das alte Modell ist, hat mich das Ding keinen Tausender gekostet. Das ist für ein brauchbares Rad ein Okkasionspreis, zumal mit Elektroturbo. Nun: Der fällt beim Sushi recht dezent aus (gerade mal 200 Watt!), aber doch so merkbar, dass man ohne Schweißtropfen im Büro ankommt. Der Akku sitzt dort, wo sonst Trinkflaschen am Rahmen befestigt werden (und er sieht auch so aus); das Rad ist relativ leicht. Dass es ein Single Speed Bike ist, also ohne Schaltung auskommt, stört mich in der Stadt kaum - es soll ja auch professionelle Fahrradboten geben, die mit sogenannten Fixies durch die Stadt flitzen. Und, ja, das Sushi hat gleich zwei Scheibenbremsen.

Eine Vernunftentscheidung? Eventuell. Was mir gefällt, ist die Unkompliziertheit dieses Fahrzeugs. Und die freundliche und sehr verlässliche Art der Münchner Manufaktur. Ob das Ding auch länger das hält, was es verspricht, werde ich rapportieren. Jetzt wird einmal fleißig herumgestrampelt.