Unser Leben wird bekanntlich derzeit von "ihm" bestimmt. Vom Coronavirus? Vom Mückstein mit seinen Verordnungen? Fast. Vom Buchstaben G! Im Internet bin ich da zufällig auf eine Überschrift gestoßen: "Wie viel G kann ein Mensch aushalten?" Na ja, hängt davon ab, ob er sich in Wien oder im Rest von Österreich aufhält. In Wien jedenfalls weniger. Und am Tag mehr als in der Nacht. Wenn er nämlich in einem Kaffeehaus was trinkt: 2,5G. In einer Bar lediglich 2G. Und sobald auf den Intensivstationen mindestens 600 Betten belegt sein werden, wird der Mensch überall bloß noch 2G aushalten. Außer bei sich daheim. Drum müssen Ungeimpfte dann dort bleiben und dürfen nur raus, um sich was zum Essen zu besorgen. Sie müssen Tauben, Eichhörnchen oder Hunde erlegen? Nein, sie dürfen eh in den Supermarkt.

3G steht übrigens nicht für "drei Mal geimpft" (geimpft, geimpft, geimpft). Und das halbe G in 2,5G nicht für "nur einmal geimpft". Okay, in obigem Artikel ist es eigentlich um ein kleines g gegangen. Um die Erdbeschleunigung, die g-Kräfte. Dass ich das groß gelesen habe, muss eine Freudsche Fehlleistung gewesen sein. Nicht verlesen hab ich mich allerdings bei einem anderen Satz: "Die dritte Dosis der Covid-19-Impfung ist ein wichtiger Teil der Grundimmunisierung gegen das Coronavirus." Was? Bisher hat es doch geheißen, Nummer drei wäre zur Auffrischung. Und auf einmal ist das die dritte Teilimpfung? Ich fühl mich plötzlich so ungeimpft. Bin ich überhaupt noch "vollimmunisiert"? Bin ich noch im Besitz eines ganzen Gs oder ist das jetzt ein zweidritteltes?

Hoffentlich wird das 600. Intensivbett nicht vor dem 17. Jänner 2022 gebraucht. (An dem Tag krieg ich frühestens den dritten Stich. Sechs Monate nach dem zweiten.) Sonst muss ich mit meiner Schwester womöglich in den Ungeimpften-Lockdown. Andererseits hätte ich wenigstens kein schlechtes Gewissen mehr, weil ich nicht jogge oder Rad fahre. Während der früheren "Ausgangsbeschränkungen" war ein Aufenthalt im Freien zumindest höchstens "zur körperlichen und psychischen Erholung" gestattet. Erholung! Und Sport ist das Gegenteil, oder? Da schwitzt und schnauft man. He, außerdem könnte ein Lockdown gut fürs Klima sein. (Fürs Klima bei mir zu Hause.) Machen meine - ungeimpfte - Schwester und ich was gemeinsam. Sitzen wir im selben Boot. Seit die 2,5G-Regel am Arbeitsplatz in Kraft ist, gibt’s ja leichte Spannungen zwischen ihr und mir. Dabei hab ich nix weiter von ihr verlangt, als beim Betreten meines "Büros" (meines Zimmers) eine FFP2-Maske zu tragen. Und ab dem 15. November (Ende der Übergangsfrist!) muss sie mir einen negativen PCR-Test zeigen oder 500 Euro Strafe zahlen, wenn sie ohne reinkommt. Hm. Wie machen das die Hausfrauen, die schon immer im Homeoffice gearbeitet haben und bei denen die komplette Wohnung der "Ort der beruflichen Tätigkeit" ist? Dürfen die, wenn sie keins der 2,5 Gs vorweisen können, obwohl "physische Kontakte zu anderen Personen nicht ausgeschlossen werden können", nimmer putzen, bügeln, saugen, kochen? Wird man deshalb eine Impfpflicht für sie einführen müssen, damit deren Familien nicht verwahrlosen?

Ach so, fürs Homeoffice gilt das alles nicht. (Puh, noch steht im Impfzertifikat "2/2" Dosen, nicht "2/3". Ich bin also keine von diesen Ungeimpften. Noch halt.)