Fortführung einer Familientradition mit falschen Namen: Andreas Rauschal ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Fortführung einer Familientradition mit falschen Namen: Andreas Rauschal ist Redakteur im "extra" der Wiener Zeitung.

Kanye West heißt jetzt Ye, Facebook bald Meta und der Merkur schon seit einer Weile, na, Dings. Ob ich mich an Meta gewöhnen werde, ist ungewiss, aber stark zu bezweifeln. Immerhin heißt Kanye West für mich noch immer Kanye West, und einkaufen gehe ich auch nach wie vor eben nicht zum, na, Dings.

Mir nahestehende Menschen finden das amüsant und werden nicht müde, mich zu korrigieren, worauf ich meine Oma erwähne, die noch gefühlte zehn Jahre nach dessen Konkurs Konsum-Kundin war. Scheinbar bin ich jetzt in einer Lebensphase angekommen, in der ich mich bereit fühle, diese schöne Familientradition fortzuführen. Glücklicherweise auch an dieser Stelle, sprich im guten alten "Wiennerischen Diarium".

Gerade jetzt, wo ich mich langsam, aber sicher darauf eingestellt habe, dass auf meiner Handyrechnung nicht mehr Telering steht, sondern ein anderer Name, von dem ich mir als ehemaliger max.mobil-Kunde anfangs geschworen habe, ihn mir vor seiner Umbenennung oder Abschaffung sicher nicht mehr zu merken (erinnern wir uns, auch die TAFKAP-Phase war für Prince genau das: eine Phase!), könnte ich mich gleich überhaupt radikalisieren.

Endlich heißt mein Bundeskanzler wieder Bruno Kreisky! Ich nenne den aktuellen und jeden kommenden österreichischen Fußballtrainer konsequent Pepi Hickersberger, sage Phil Collins zu Ed Sheeran und werde nach der Corona-Pandemie wieder ins Prater- und nicht ins Ernst-Happel-Stadion gehen. Außerdem fahre ich gleich morgen mit der Kutsche zum Südbahnhof, um mir in der dortigen Restauration einen Burgunderbraten in die Figur zu stellen. Kommen Sie mir jetzt bitte nicht mit dem Zeitgeist in Form von "Hauptbahnhof", "Fastfood" oder wie bitte, was soll das schon wieder sein, ein "Wrap"?

Habe ich Ihnen eigentlich schon die zugegeben sehr nach Urban Legend klingende, mir aber aus vertrauensvoller Quelle zugeflüsterte Anekdote von dieser einen Frau erzählt? Die so sehr unter ihrem Vornamen litt, dass sie ihn bei allen damit verbundenen Gebühren und Begleitumständen ändern ließ? Nämlich von Berta auf Herta? Nein? Dann ist es hiermit geschehen. So weit, aus Verlangen nach einem anderen Ich, aus Wunsch nach einem ursprünglicheren Image oder der Sehnsucht nach einer diverseren Identität auf die wiederum für mich, wäre ich ein Mädchen geworden, angedachten Namen Gudrun oder Johanna zurückzugreifen - oder auf den Folgeplan, in direkter Erbfolge der dritte Alfred, sprich Alfred III. zu werden -, bin dann aber selbst ich nicht. Nein.

Bitte verzeihen Sie übrigens, wenn ich jetzt Schluss mache, meine Underwood-Schreibmaschine ächzt und stöhnt heute bereits unter meinem Schreibdrang, derohalben gebe ich meinem Bedürfnis nach, Lehnstuhlbehagen zu empfinden. Früh genug werde ich danach ohnehin schon wieder aufbrechen müssen - zum, na, Dings.