Viele schreien ja jetzt nach einem Lockdown für alle, nicht bloß für die Ungeimpften. Ich tu das nicht. Mir hat die Tourismusministerin nämlich genau erklärt (in den Nachrichten), warum so einer nix bringen täte. Weil die Leute eh nimmer so richtig mitmachen würden. Da fällt mir wieder ein depperter Witz ein, diesmal definitiv von keinem Mathematiker. (Von einem Psychoanalytiker eventuell? Oder einem Quantenphysiker? Einem Quantenpsychiater?) Sitzen jedenfalls zwei Hochhäuser im Keller und machen irgendwas Surreales. Sagt das eine: "Du, morgen ist Weihnachten." Darauf das andere: "Ach, da geh ich gar nicht erst hin, da kriegt man nie einen Parkplatz." "Weihnachten" müsste man halt durch "Lockdown" ersetzen.

Tja, stell dir vor, es ist Lockdown und keiner geht hin, sondern alle bleiben zu Hause. (Ist es daheim nicht am gefährlichsten? Finden die meisten Ansteckungen nicht angeblich im eigenen Haushalt statt?) Nein, so hat das die Köstinger natürlich nicht gemeint. Moment: Hat die den Geimpften grad öffentlich unterstellt, die wären undisziplinierter als die Ungeimpften, denen man offenbar sehr wohl zutraut, sich an kontaktreduzierende Maßnahmen zu halten, sonst hätte man sie ihnen doch nicht verordnet, oder? Das kränkt mich irgendwie. Das indirekte Lob an die Ungeimpften leite ich aber gern an meine Schwester weiter, die sich seit Montag im Ungeimpften-Lockdown befindet, den ich höchstpersönlich überwache. ("Wo gehst’n hin?" - "Einkaufen." - "Okay.") Na ja, ich wohne mit ihr zusammen, da kriegt man einiges mit. Und ich kann bestätigen, dass sie in dieser Woche lediglich dieses eine Mal den privaten Wohnbereich zu einem der zulässigen Zwecke verlassen hat, konkret zur "Versorgung mit Grundgütern des täglichen Lebens", und dass sie nachher mit vier vollen Sackerln zurückgekommen ist.

Bevor sie losgegangen ist, hab ich ihr extra noch den kompletten Paragrafen 2 der fünften Covid-19-Schutzmaßnahmenverordnung vorgelesen (das ist der mit den Ausgangsregeln), und dabei bin ich auf etwas Erschreckendes draufgekommen: Ich bin selber längst im Lockdown. Und mein G hat mich nicht davor bewahrt. Ich hab sogar weniger Gründe, vor die Tür zu gehen, als den Ungeimpften zugestanden werden. Den Kontakt mit "einzelnen engsten Angehörigen" pflege ich daheim (mit meiner Schwester), mein Wohnbedürfnis stille ich ebenfalls dort (wo sonst?). Selbst "zur körperlichen und psychischen Erholung" benötige ich keinen Aufenthalt im Freien, das mach ich auf dem Sofa (den körperlichen Teil, für die Psyche hol ich mir eine Tafel Schokolade). Und religiöse Grundbedürfnisse hab ich sowieso keine. Von den neun Gründen, sechs Untergründen und drei Unter-Untergründen, bleiben bei mir grad drei übrig: arbeiten, Essen kaufen und 3a) der Kontakt mit aa) Heinz.

Der Heinz wird in der Verordnung namentlich genannt? Nein, nur irgendein anonymer "nicht im gemeinsamen Haushalt lebender Lebenspartner", den ich überhaupt nicht kenne. Meinen Kaffee trinke ich ab sofort beim Heinz. Im Schanigarten wird’s mir ohnedies schön langsam zu kalt. Kochen kann er außerdem, der Heinz. Und der Friseur ("Hi, I’m Francis" - "Where are you from?" - "Ghana.") hat mir vor einem Jahr so viel weggeschnitten, dass es mindestens noch für ein weiteres Jahr reicht. Soll der Lockdown ruhig kommen. Sofern er eine FFP2-Maske trägt und sich vorher die Hände wäscht. (Und die Schuhe auszieht.)