Witze können dazu beitragen, Krisen zu bewältigen. Das gemeinsame Lachen macht uns stärker, gibt uns ein Gefühl der Sicherheit in einer Zeit mit erheblichem Kontrollverlust. Anspruchsvolle Witze über das Coronavirus, über die Pandemie oder über den Lockdown streichen das Gemeinsame hervor, in ihnen ist die Gesellschaft nicht gespalten.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Im ersten Lockdown waren Witze über die Herkunft von Corona beliebt. "Was haben Coronavirus und Pasta gemeinsam? Die Chinesen haben es erfunden, die Italiener haben es über die ganze Welt verbreitet." - "An alle, die sich große Sorgen machen: Das Virus hält bestimmt nicht lang, schließlich ist es ,Made in China‘." - "Was hamstern die Italiener, die Franzosen und die Österreicher in der Krise? Die Italiener Rotwein, die Franzosen Kondome, die Österreicher Klopapier."

Diese Witze haben inzwischen einen Bart. Wir wissen, dass es immer genug Klopapier geben wird, dass Corona langlebiger ist, als wir dachten, und dass die jetzige Welle hausgemacht ist. Wuhan und Bergamo sind als Witzematerial unbrauchbar geworden, auch das klassische Thema Hamstern ist abgedroschen.

Den folgenden Witz hörte ich auf Radio Wien in "Extra-WOW", das ist eine Sendung mit Rolf Rüdiger und Robert Steiner: "Gestern beim Essen merke ich, dass ich nichts schmecke!" - "Furchtbar! Covid?" - "Nein, Tofu!" Ein guter Witz, weil er zunächst in die falsche Richtung lenkt. Dass der Geschmacksverlust letztlich nichts mit dem Krankwerden zu tun hat, führt zu einer psychischen Entlastung, das brauchen wir jetzt. Ich habe den Eindruck, dass die guten Witze aus der vierten Welle subtiler als die älteren sind, oftmals sind sie sprachspielerisch. Häufig geht es um Missverständnisse, die jedem passieren könnten.

"Ein Baumarkt auf dem Lande: ,Ich bräuchte Fichtenholzbretter!‘ - ,Covid?‘ - Der Kunde zückt den Grünen Pass: ,Drei Mal geimpft!‘ - ,Na, i moan: Covid oda ned Covid?‘" Ein Tipp: Lesen Sie den letzten Satz des Verkäufers laut vor: Covid klingt so wie ein mundartlich ausgesprochenes Wort aus der Fachsprache der Tischler.

Nicht nur einmal empfahl FPÖ-Chef Herbert Kickl im Falle einer Covid-Infektion die Einnahme von Ivermectin, das ist ein Entwurmungsmittel für Pferde. Solche Absurditäten als Therapietipp scheint es auch in den USA zu geben, wer würde sonst den folgenden Witz verstehen: "One horse asks the other if he’s tried Ivermectin. ,I haven’t,‘ he says, ,but my neigh-bor has." Ein Jammer, dass man den Witz nicht ins Deutsche übertragen kann. Im ersten Teil des Wortes für Nachbar steckt das englische Wort für wiehern: to neigh.

Der folgende Witz aus Amerika ließ sich übersetzen: "Mein Mann ist mit einer Weltkarte heimgekommen und hat mir einen kleinen Wurfpfeil in die Hand gedrückt: ,Wirf den Dart, wir schauen, wo er landet. Dorthin geht es für uns, wenn der Lockdown vorüber ist.‘ Sieht so aus, als würden wir einige Zeit hinter dem Kühlschrank verbringen." Auch das ist ein Witz, der das Gemeinschaftsgefühl stärkt. So wie viele andere werde auch ich es nicht schaffen, nach dem Ende des Lockdowns auf die Malediven oder nach Florida zu fliegen.