An Apple a day keeps the doctor away? Da werden einige laut auflachen. Immerhin! Es mag angesichts einer vierten Covid-Welle, eines weiteren Lockdowns und einer generell unentspannten Weltlage ein eher marginales Problem sein. Aber solange die bürokratischen Instanzen noch halbwegs funktionieren und die Menschen Muße haben, die Widrigkeiten des Alltags zu sezieren, soll es uns allen recht sein, wenn die Europäische Union mit Apple herumstreitet. Und zwar wegen einer Anschlussnorm.

Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com
Walter Gröbchen ist Label-Betreiber (www.monkeymusic.at), Musikverleger und Autor in Wien. Mehr Kommentare und Kolumnen auf seinem Blog groebchen.wordpress.com

Für Kenner (zu denen Smartphone-, Tablet- und Computernutzer zwangsweise zählen): Es geht um USB-C und Lightning. Und um den Kabelsalat, den wir alle seit vielen Jahren in diversen Schreibtischschubladen züchten. USB-C ist ein Stecker, den viele Hersteller für Verbindungen von fast allem mit fast allem - etwa Netzteile, Festplatten oder Powerbanks - zum Standard erklärt haben. Nur Apple nicht. Zwar führt auch der Gigant aus Cupertino USB-C-Geräte in seinem Programm, aber er hält auch eisern am proprietären Lightning-Anschluss fest. Einst hat man dieses Format entwickelt, um dünnere iPhones bauen zu können. Lightning ("Blitz") besitzt acht Kontakte und kann Daten digital elektrisch, jedoch nicht optisch übertragen. Fakt ist, dass USB-C jünger und leistungsfähiger ist. Auch das alte Ärgernis, dass USB-Stecker richtig herum eingesteckt werden mussten, aber seltsamerweise immer verkehrt in der Hand lagen (ein Mysterium der Neuzeit!), war mit der C-Version vom Tisch.

Wer sich in den Tiefen von Kabel- und Steckernormen verlieren will, müsste jetzt auch auf Thunderbolt ("Blitz und Donner") hinweisen - eine weitere Norm, die sowohl von Apple wie auch der Konkurrenz genutzt wird. Freilich gibt es hier verschiedene Derivate (Thunderbolt 3 und 4), genauso, wie es beim fatalerweise immer gleich aussehenden USB-C-Anschluss mittlerweile unterschiedlichste Normen mit unterschiedlichen Übertragungsgeschwindigkeiten und Ladekapazitäten gibt (USB 3.1 Generation 2, USB 4). Von Mini-USB und sonstigen Oldies gar nicht zu reden. Sie haben die Faden verloren? Verständlich. Mittlerweile kennen sich nicht einmal mehr Servicetechniker mit dem Wirrwarr aus. Freilich ist das Chaos eine gute Geschäftsgrundlage: Zu dutzenden Kabeln braucht man immer auch passende Adapter, Zwischenstecker und (im Fall des Falles nie auffindbare) Computerkrücken. In meiner Kiste mit all dem Zeug steckt mittlerweile ein Vermögen. Der Treppenwitz ist: Viele der Adapter funktionieren nicht einmal richtig.

Man kann es als Konsument daher gewiss als Befreiung empfinden, wenn die zuständige EU-Kommission nun Apple die zwangsweise Verwendung von USB-C vorschreiben will. Weniger Elektronikschrott wäre so garantiert. Weniger Ärger dito. Freilich jammert nun die Apple-Zentrale lautstark herum, das würde den technischen Fortschritt behindern. Kurioserweise wird der US-Konzern dabei vom USB-Implemtier-Gremium unterstützt. Dessen Vorsitzender Jeffrey L. Ravencraft plädiert dafür, "den Markt entscheiden" zu lassen.

Wie immer auch: Sollte sich die EU-Position durchsetzen, werde ich mir ein Lightning-Kabel als Erinnerungsstück aufbewahren. Man weiß bei Kabeln und Steckern ja nie, ob man sie wieder einmal brauchen kann.