Was hat es zu bedeuten, wenn man sich am Beginn eines Lockdowns drei Paar Schuhe und ein Paar Stiefel im Internet bestellt? (Okay, vier Paar Schuhe und zwei Paar Stiefel.) Äh, dass die Schuhgeschäfte geschlossen haben und man sich die Fußbekleidung deshalb im Online-Shop besorgen muss? Das auch. Doch eigentlich hab ich gemeint, dass das irrational ist, weil man ja sowieso nicht rausgehen soll. Noch dazu sind die Dinger alle gefüttert. (Ach, und jetzt sind sie satt und haben keinen Hunger mehr auf meine Füße, spucken sie dauernd aus?) Die kann ich nie und nimmer bis zum Frühling verhatschen. Beim zweiten Paar Stiefel handelt es sich außerdem um Gummistiefel. Fürs Sauwetter. Um die schönen Schuhe zu schonen. Und schneit’s nicht ab Freitag? Und was, wenn der Lockdown bis März dauert?

Hätte ich einen Vorrat an Hausschuhen angelegt (und zwei Sofas als Reserve), hätte das ja noch eine gewisse Logik gehabt. Irgendeinen Mangel scheine ich also kompensieren zu müssen. Genau. Den Bewegungsmangel. Den hatte ich zwar bereits vorher, aber es ist halt ein Unterschied, ob man sich freiwillig nicht nach draußen begibt oder nicht raus darf. Und wer ist nun schuld, dass ich so viel Geld für unnötige Schuhe ausgebe? Die Black Week? ("15% auf alles und 5% obendrauf, weil Sie unsere liebste Kundin sind!") Sicher nicht. Die Regierung? Blödsinn. Das ist eine Rea-gierung. Die hat lediglich reagiert.

"Es gibt zwei Arten von Menschen", hab ich auf Facebook gelesen. Frauen und die andern? Geimpfte und Ungeimpfte? Wird nicht verraten. Bloß: "Halte dich von beiden fern." Eh. Nämlich am besten einen Abstand von zwei Babyelefanten zu ihnen ein.

Was? Während ich brav daheimhocke und Coronamaßnahmenspeck anlege, fahren andere Ski? (Ist das nicht dieser Sport, bei dem man sich den Haxen bricht und dann muss man ins Krankenhaus? Und soll der Lockdown nicht gerade den "Zusammenbruch der medizinischen Versorgung" verhindern?) In einer Woche startet jedenfalls Ischgl in die Wintersaison. (Ischgl? Dieses Superspreader-Dorf?) Und weil die Hütten auf Tiroler Seite zuhaben, plant man als speziellen Service einen Shuttle-Skilift in die Schweiz rüber. Da sind manche natürlich sauer. Die heimischen Hüttenwirte vor allem. Dass sie nicht öffnen dürfen, sondern ihre Speisen und Getränke höchstens to go anbieten können, und nachher dürfen diese wiederum nicht im Umkreis von 50 Metern konsumiert werden. Und dort ist schon die Piste. Und Skifahrer, die während der Fahrt mampfen und sich ansaufen und ihre Hände nicht ständig an den Stecken haben, sind eben eine Gefahr fürs Gesundheitssystem.

Kommt jetzt die "Pandemie der Skifahrer"? Wenigstens sind die geimpft. Ungeimpfte müssen den Berg schließlich raufbretteln - und wer tut sich das an? Andere Lockdown-Flüchtlinge fliehen nicht nur in die Schweiz, sondern überhaupt ins Ausland. Fliegen auf die Malediven oder nach Dubai. Reduzieren ihre Kontakte allerdings sogar besonders radikal. (Zu den Österreichern.) Während ihrer "körperlichen und psychischen Erholung" wird man ihnen hierzulande nicht begegnen. Gut, irgendwann kommen sie wieder zurück. Womöglich mit einem Souvenir.

He, ich könnte mit meinen Schuhen täglich auf der Straße dafür demonstrieren, dass alle gefälligst drinnen bleiben sollen. Oder für einen weltweiten Lockdown.