Metaphern sind ein wichtiger Bestandteil der politischen Kommunikation. Sie bilden einen Deutungsrahmen, in dem Ereignisse verstanden und bewertet werden. Dieses Framing, so der Fachausdruck, beeinflusst unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit. Welches Framing gewählt wird, kann entscheidend sein, ob bestimmte Verhaltensregeln akzeptiert oder abgelehnt werden.

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

Andrea Abel, Leiterin eines in Bozen angesiedelten Instituts für Angewandte Sprachforschung, hat in der ersten Phase der Pandemie die Sprache der Berichterstattung in Deutschland und Italien analysiert, und sie war erstaunt über die massive Kriegsmetaphorik in Italien: "Da waren Krankenschwestern ,Soldatinnen an vorderster Front‘, Ärzte arbeiteten ,im Schützengraben‘ oder man hoffte auf einen ,Waffenstillstand mit dem Virus‘." Die deutschen Politiker und Medien hätten sich hingegen weitgehend einer derartigen Rhetorik enthalten. Das galt meiner Meinung nach auch für Österreich. Vermutlich wirken auch bei uns die Erfahrungen mit der nationalsozialistischen Kriegspropaganda nach. Manche werden vielleicht noch weiter zurückdenken, an die Kriegshetze im Ersten Weltkrieg, wie sie von Karl Kraus in seinem Drama "Die letzten Tage der Menschheit" der Nachwelt vermittelt wurde.

Mit dem Amtsantritt von Karl Nehammer ist in der politischen Rhetorik eine Wende sichtbar geworden. Der Bundeskanzler, einst als Leutnant ausgemustert, hat den Paradigmenwechsel mit der Gründung der "Gesamtstaatlichen Covid-Krisenkoordination" eingeleitet. An der Spitze der GECKO, so die Abkürzung der "Taskforce", steht neben der Generalsekretärin für öffentliche Gesundheit ein Generalmajor, er erschien zur Antrittspressekonferenz im Camouflage-Kampfanzug.

Ein oder zwei Tage später setzte der Salzburger Landeshauptmann einen Oberst als Pandemieleiter ein. Aber auf der Pressekonferenz schlug zunächst eine Primaria den Ton an. "Der Virus ist unser gemeinsamer Feind, er ist schlau, hat sich eine Tarnkappe angezogen, hat sich verkleidet, jetzt müssen wir ein bisschen anders auf den Virus schießen, müssen schlauer sein." So nebenbei: Wie viel Überwindung hat es die Medizinerin gekostet, aus dem Wort Virus ein Maskulinum zu machen?

Der Offizier hat den Faden weitergesponnen. "Der Virus" habe nicht nur "eine Tarnkappe auf", er sei auch "hinterhältig". Seine Taktik sei es, "immer wieder Fluchtvarianten" zu finden. Dem habe er etwas entgegenzusetzen: "Wir Soldaten lieben klare Strukturen, ordentliche Abläufe", die militärischen Prinzipien könne man "eins zu eins auf die Virusbewältigung" übertragen. Seine Aufgabe werde es sein, "eine längerfristig haltbare Struktur" aufzubauen, um dem Feind zu begegnen.

Mit der teils ernsthaften, teils lächerlichen Metaphorik in Salzburg und dem Camouflage-Auftritt in Wien soll offensichtlich Kampfbereitschaft signalisiert werden. Dies geschieht mit verhaltenen Hinweisen auf die bekannten militärischen Prinzipien: strenge Hierarchie und absoluter Gehorsam. Verstellt wird dabei der Blick auf jene Werte, die zur Bewältigung der Gesundheitskrise notwendig sind: Solidarität, Fürsorge und Einfühlungsvermögen.