Neulich habe ich einen gut gemachten TV-Spot gesehen. Ein junger Mann holt eine Bratpfanne aus dem Backrohr, da stürzt seine Frau herein: "Ach du, vergiss nicht, deine Mama isst kein dunkles Fleisch, und mein Bruder verträgt kein Kraut, seine Frau keine Knödel, deine Schwester ist Veganerin, ihr Freund ist laktoseintolerant und hat eine Glutenallergie, und die Kinder wollen plant based fish." Der Mann, mit der Bratpfanne in der Hand, schaut verzweifelt: "Warum sind sie nicht alle bei Bob?"

Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.
Robert Sedlaczek ist Autor zahlreicher Bücher über die Sprache, jüngst ist bei Haymon "Sprachwitze. Die Formen. Die Techniken. Die jüdischen Wurzeln. Mit mehr als 500 Beispielen" erschienen.

So oder ähnlich wird vielleicht zu Weihnachten in dem einen oder anderen Haushalt das Problem der Nahrungsaufnahme sichtbar geworden sein. Was der eine für artgerecht hält, ist für den anderen artfremd. Wenn zwei oder drei Generationen in einem Haushalt zusammenkommen, wo traditionell nur eine einzige Fütterungsmethode vorherrscht, knirscht es. Die einen wollen kein Fleisch, die anderen keinen Fisch, inzwischen gibt es beides auf pflanzlicher Basis. Doch auch das wollen die anderen nicht, sie lieben die knusprige Weihnachtsgans und den goldbraun herausgebackenen Karpfen. Laktoseintoleranz und Glutenallergie erschweren die Suche nach einem Kompromiss.

Vegetarier, Veganer, Pescetarier, Frutarier - die Artbezeichnungen gehen auf das Lateinische zurück. Ausgangspunkt ist vegetare (= körperlich und geistig beleben), welches sich auf vegere (= munter, lebensfroh sein) bezieht.

Allgemein gebräuchlich wurde "vegetarian" 1847 durch die Gründung der englischen Vegetarian Society, dort organisierten sich Menschen, die weder Fleisch noch Geflügel noch Fisch aßen. Seltener sprach man auch von einer "pythagoreischen Diät", da die Anhänger des griechischen Philosophen Pythagoras Vegetarier waren.

"Veganismus" wurde rund hundert Jahre später von Donald Watson geprägt; der Sohn eines Schuldirektors lehnte jeglichen Konsum von Alkohol und Zigaretten ab und war ein überzeugter Pazifist. Als er bei der Schlachtung eines Schweines zusah, entschloss er sich, die Vegan Society zu gründen. Das Wort besteht aus dem Anfang und dem Ende von veg-etari-an, weil "Veganismus mit Vegetarismus beginnt und ihn zu seinem logischen Ende führt".

1951 publizierte seine Organisation den "Leitsatz, dass der Mensch ohne Ausbeutung von Tieren leben soll". Es sind Vegetarier, die weder Butter, Eier, Käse noch Milch essen. Radikale Veganer lehnen auch Taschen aus Leder, Stoffe aus Wolle oder Schmuck aus Horn ab.

Pescetarier wiederum verzichten zwar auf Fleisch, essen jedoch Fisch oder Meeresfrüchte. In dem Wort steckt das lateinische piscis. Frutarier, von lateinisch fructus, sind die Radikalsten unter den Fleischverweigerern. Sie ernähren sich nur von jenen pflanzlichen Produkten, bei deren Ernte die Pflanze nicht kaputtgeht: Äpfel, Birnen und Nüsse. Hingegen sind Karotten und Erdäpfel tabu.

Auf Wikipedia lese ich, dass der Anteil der Vegetarier an der Gesamtbevölkerung in der westlichen Welt lediglich im einstelligen Prozentbereich liegt. Wobei der harte Kern der Minderheit gut geschult ist und seine Ernährungsgewohnheiten auch als quasi-religiöse Weltanschauung versteht.