Schreib ich halt was über Neujahrsvorsätze. Dabei hab ich überhaupt keine. Aber anscheinend sind die Pflicht. (In welcher Verordnung steht das denn? Hab ich nämlich offenbar übersehen.) Panik. Wo krieg ich jetzt so auf die Schnelle welche her? In ein paar Stunden ist es schließlich nimmer heuer und davor sind wir, der Heinz und ich, noch bei der Ini eingeladen. Und was, wenn die mich fragt: "Und? Was sind deine Neujahrsvorsätze?" (Wir werden zu Silvester übrigens zu viert sein. Und ich werde natürlich auf einer Maskenpflicht abseits vom Wohnzimmertisch bestehen. Wenn also wer aufs Klo geht.)

Ein Vorsatz - ist das nicht was für Kriminelle? Immerhin kommt der im Strafgesetzbuch vor. § 5 StGB: "Vorsätzlich handelt, wer einen Sachverhalt verwirklichen will, der einem gesetzlichen Tatbild entspricht; dazu genügt es, dass der Täter diese Verwirklichung ernstlich für möglich hält und sich mit ihr abfindet." Hoffentlich hab ich mich nicht schon strafbar gemacht, bloß weil ich "Neujahrsvorsätze" gegoogelt habe. (Ach so: der Täter. Der! Für Täter-innen gilt die Unschuldsvermutung.) Mir sind jedenfalls auf Anhieb 59 Vorschläge gemacht worden. He, ich könnte vorsätzlich abnehmen. Könnte. Doch kann ich auch? Wollen tu ich ja. Immer wenn ich auf die Waage steige, zeigt die mir allerdings mehr Kilos an. Abnehmen kommt als Vorsatz wohl nicht in Frage. Besonders weil ich eine Verwirklichung nicht "ernstlich für möglich halte". Außerdem: Es fängt ein neues Jahr an, kein neues Leben, hallo? Man muss nicht reinkarnieren. In einem anderen, schlanken Körper.

Dann vielleicht "mehr Sport machen"? Passt. Könnte ich dieses Fitnessgerät ausprobieren, das ich zu Weihnachten geschenkt gekriegt habe: eine Springschnur. Okay, müsste mich nachher ein Lawinenhund ausbuddeln. Wenn ich meine Messie-Stapel umgesportelt hab. Mach ich eben vorerst Kniebeugen. (Ohne ausgestreckte Arme.) Bis ich Vorsatz 58 absolviert habe: "Daheim ausmisten." Seeehr witzig. Und wo soll ich eine Mistgabel herzaubern? Bestellen. Online. Jö, die eine hat einen "teleskopierbaren Stiel"! Heißt das, ich könnte mich eventuell im Sitzen "von unnötigen Konsumgütern trennen"? Alles bequem beim Fenster rausgabeln? Nein, ich nehm lieber "gesünder ernähren". (Noch gesünder? Mehr Gemüse kann ich echt nicht ins Gemüsefach stopfen.) Moment. Das spießt sich mit Vorsatz 43: "Weniger Lebensmittel wegwerfen." Und wie wär’s mit "weniger Alkohol"? Apropos. Ich muss die Ini noch anrufen. Ob sie eh acht Sektflöten hat. Für Mitternacht. Wenn wir uns draußen unter irgendein illegales Feuerwerk stellen. Warum acht, wenn wir doch nur zu viert sind? Na, wegen § 2 Absatz 8 der 6. Covid-19-Schutzmaßnahmenverordnung: "Beim Betreten von (Anm.: so ziemlich allem) . . . und öffentlichen Orten sowie bei Zusammenkünften . . . ist darauf zu achten, dass zwischen Personen, die nicht im gemeinsamen Haushalt leben, ein Abstand von mindestens zwei Metern eingehalten wird bzw. werden kann."

Zwei Meter? Wird jeder mit sich selber anstoßen müssen. (Wozu hat man zwei Hände?) Und dann zwei Glasln in sich reinkippen. (So viel zu "weniger Alkohol".) Weil: Wer, bitte, hat so lange Arme? Und sogar der Heinz ist für mich eine haushaltsfremde Person. Oh, ich hab den idealen Vorsatz gefunden: Weniger Verordnungen lesen.