Pandemisch bedingt erinnert der Wiedehopf mit seiner nicht vorhandenen Frisur aktuell wieder . . . an uns selbst. 
- © Charles J. Sharp

Pandemisch bedingt erinnert der Wiedehopf mit seiner nicht vorhandenen Frisur aktuell wieder . . . an uns selbst.

- © Charles J. Sharp

Wer die menschlichen Vögel des neuen Jahres sind, wird sich erst in den kommenden Monaten entscheiden. Vielleicht ist der deutsche CDU-Altpolitiker Bernhard Vogel einer davon ("Vogel fordert Entschlossenheit hinter Friedrich Merz"), wahrscheinlich aber ist ganz grundsätzlich anzunehmen, dass es dafür mehr Kandidaten gibt, als es dem Homo sapiens seinem Namen nach recht sein kann. Immerhin sorgt die Pandemie nicht zuletzt seit dem Aufkommen regelmäßiger Protestmärsche dafür, dass man sich gesellschaftlich zunehmend wie in einem Käfig voller Narren vorkommt.

Glücklicherweise ist die Wahl in ornithologischer Hinsicht längst geschlagen. In Österreich ist die Mehlschwalbe an der Spitze gelandet, in Deutschland der Wiedehopf sogar mittels Publikumsvotings zur Nummer eins gekürt. Zwar macht eine Schwalbe noch keinen Sommer und ist der Volksmund zumindest sprichwörtlich wenig angetan, wenn er etwa den onomatopoetisch benannten Upupa epops als Quell olfaktorischer Belästigung ausmacht ("Du stinkst ja wie ein Wiedehopf!"). Neben der rezenten Bedrohungslage durch moderne Architektur, Insektenschwund, Bodenversiegelung und Vandalenakte gegen die mühsam gebauten Mehlschwalbennester, sprich vor allem neben Sympathie und Mitleid durch Gefährdung, ist es aber nicht zuletzt die Optik, die die Kür zum beliebtesten Piepmatz anscheinend in bester Modelcontest-Manier beeinflusst hat.

Schließlich schaut der Wiedehopf mit seiner aufgestellten Irokesenfrisur nicht nur schlicht niedlich aus. Gerade auch pandemisch gequälte Freunde des akkuraten Kurzhaarschnittes erklären sich mit dem sportlichen Langschnabel solidarisch, wenn nach einer längeren Phase ohne Friseurbesuch noch immer kein Kraut gegen die widerborstigen Büschel gefunden ist, die auf dem Kopf jeden Tag in der Früh auf Narrenfreiheit bestehen. Der Wiedehopf als unser gefiedertes Spiegelbild mit wirrem Haupthaar ist unser Freund - und er versteht uns.

Anders als im Fall der Mehlschwalbe, deren Bestand sich in Österreich in den vergangenen zwanzig Jahren halbiert hat - eine Tatsache, für die die Wahl zum Vogel des Jahres in erster Linie sensibilisieren will -, gibt es beim Wiedehopf aber Chancen, ihn und seine nicht vorhandene Frisur in Zukunft sogar öfter zu sehen. Der Klimawandel sorgt dafür, dass sich der keine 30 Zentimeter große Zugvogel mit bevorzugten Winterquartieren im tropischen Afrika und der Sahelzone auch in Deutschland immer wohler fühlt. Niedersachsen statt Nigeria! Berlin statt Benin! Das ist nur gerecht. Immerhin verzichten auch zahllose deutsche Rentnerpaare pandemiebedingt nach wie vor auf ihren Winterurlaub im sonnigen Süden, um damit eine alte Bauernregel Lügen zu strafen: "Zu Maria Geburt fliegen Hans-Helfried und Dörte furt - zu Maria Verkündigung kommen sie wiederum."